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Bewegende Rede Holocaust-Überlebende Margot Friedländer: "Es darf nie, nie wieder geschehen"

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Besuch im EU-Parlament am 27. Januar, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Margot Friedländer, 100 Jahre alt und Überlebende des Holocaust, erinnerte am Donnerstag an die Gräuel der Judenverfolgung, die mehr als sechs Millionen Menschen das Leben kostete und deren Folgen sie am eigenen Leib erfahren musste. "Meine Mutter hat nicht auf mich gewartet. Sie hat sich der Gestapo selbst gestellt, um meinen Bruder zu begleiten. Für mich hinterließ sie eine Nachricht bei den Nachbarn, wenn ich komme, sollten sie mir Folgendes sagen: Ich gehe mit Ralph, wohin das immer sein mag. Margot soll versuchen, ihr Leben zu machen. Das war das Letzte, was ich je von meiner Mutter und meinem Bruder gehört habe." Margot Friedländer berichtete auch von ihren Erlebnissen in Theresienstadt, dessen KZ sie überlebt hatte. "Ende April 1945 wurde ich mit anderen gerufen, um bei einem erwarteten Transport zu helfen. Als ein langer Zug mit Viehwagons eintraf, wussten wir nicht, was uns erwartete. Als die Türen aufgeschoben wurden, erlebte ich, was ich niemals vergessen werde. Menschen, die kaum noch wie Menschen aussahen, fielen oder wurden aus dem überfüllten Waggon herausgestoßen. Man konnte die Lebenden kaum von den Toten unterscheiden." Vor dem Parlament nutzte sie die Gelegenheit, um einen Appell an die Welt zu richten. "Menschen haben es getan, weil sie Menschen nicht als Menschen anerkannt haben. Man kann nicht alle Menschen lieben, aber Respekt gebührt jedem. Es gibt kein christliches, kein jüdisches, kein muslimisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Wir sind alle gleich. Was war, war - wir können es nicht mehr ändern. Es darf nie, nie wieder geschehen." Margot Friedländer kam auch auf Proteste gegen die geltenden Coronamaßnahmen zu sprechen, bei denen es - etwa durch Impfgegner - immer wieder zu Vergleichen mit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus kommt. "Ungläubig musste ich mit meinen nunmehr einhundert Jahren sehen, wie Symbole für unsere Ausgrenzung durch die Nazis, der sogenannte Judenstern, heute von neuen Feinden der Demokratie auf offener Straße schamlos benutzt werden, um sich selbst mitten in einer Demokratie als Opfer zu stilisieren. An einem Tag wie heute müssen wir zusammenstehen, damit die Erinnerung an den Holocaust wahrhaftig bleibt und von niemandem missbraucht wird." Am 27. Januar 1945 war das Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Dort waren Margot Friedländers Mutter und ihre Bruder von den Nationalsozialisten ermordet worden.
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Margot Friedländer, 100 Jahre alt und Überlebende des Holocaust, erinnerte am Donnerstag im EU-Parlament in Brüssel an die Verbrechen der Judenverfolgung.

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