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Hurrikan "Dennis": Heiße Tage in Havanna

Hurrikan "Dennis" tötete auf Kuba zahlreiche Menschen, zerstörte unzählige Gebäude und verwüstete Plantagen. Jetzt hat der Wirbelsturm auch die Energiekrise der Karibkinsel erheblich verschärft.

Häufiger Stromausfall treibt die Menschen in Kuba derzeit an den Rand der Verzweiflung. Es ist drückend heiß, sehr feucht, fast unerträglich. Wenn es vor allem abends keinen Strom gibt, gehen nicht nur die Lichter aus. Die Lifte funktionieren nicht, die Klimaanlagen fallen aus, die Ventilatoren spenden keinen halbwegs frischen Wind, und die Mücken vertreiben sie auch nicht. In den Kühlschränken verderben die Vorräte.

Viele Menschen können nicht schlafen und verbringen die heißen Nächte einfach im Freien, wo die Straßenbeleuchtung über einen anderen Stromkreis spärlich Licht spendet. Sie sitzen auf den Bordsteinkanten, auf Bänken in den Parks und warten auf den Morgen. Die Aussichten für die kommenden Wochen sind schlecht. Der heißeste Monat August steht noch bevor, und dann wird zum Kühlen noch mehr Energie benötigt.

"Dennis" traf auch Stromleitungen

Seit Monaten schon schaffen es die Stromproduzenten nicht mehr, die Menschen auf der Insel mit ausreichend Energie zu versorgen. Jetzt hat Hurrikan "Dennis" die Lage erheblich verschärft. Er tötete zahlreiche Menschen, zerstörte ungezählte Gebäude, verwüstete Plantagen. Die Schäden werden auf über eine Milliarde Euro geschätzt. Auch zentrale Überlandleitungen sind offenbar unterbrochen. Angstvoll warten die Kubaner auf den nächsten Hurrikan.

Im April hatte Präsident Fidel Castro eine Besserung des Energieproblems versprochen. "Zum 23. August wird das Problem Kubas mit der elektrischen Energie gelöst", sagte er. Dies geschah damals womöglich, um die Kubaner auf einen heißen Sommer vorzubereiten. Doch es kam schon vor dem Sturm schlimmer: Jeden Tag fällt der Strom aus, sind abends und nachts ganze Teile der über zwei Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Havanna und andere Landesteile dunkel. Besonders kritisch wurde es am ersten Juliwochenende, als der Strom 27 Stunden wegblieb. Auf mancher Wand stand am Morgen geschrieben: "Nieder mit Castro."

"Es bleiben Risiken"

Der Staat reagierte mit einer Fernsehsendung, in der die Problematik erklärt und versucht wurde, die Bevölkerung zu beruhigen. Mit weiteren Schwierigkeiten müsse gerechnet werden, Havarien könne niemand voraussehen. "Granma", die Zeitung der Kommunistischen Partei von Kuba, resümierte am nächsten Tag: "Die Stromausfälle werden seltener in den nächsten Wochen, aber es bleiben Risiken."

Die Bilder, die den Zuschauern während der Sendung vorgeführt wurden, waren für sie nichts Ungewöhnliches: Arbeiter schweißten Rohre, schnitten Bleche zurecht, schraubten an Pumpen herum, schliffen Rotoren, verlegten Rohre, fetteten Flansche ein. Die Vorarbeiter und Ingenieure sagten übereinstimmend: "Wir arbeiten 24 Stunden pro Tag, bis die Krise vorüber ist."

Alte Kraftwerke, neue Hoffnung

Wann dies der Fall sein könnte, ist unabsehbar. Die sieben Kraftwerke in Kuba sind 25 bis 30 Jahre alt und wurden im Rahmen des Comecon, der damaligen kommunistischen Wirtschaftsgemeinschaft, von der Tschechoslowakei und der Sowjetunion geliefert und gebaut. Heute dürften sie veraltet sein. Die kubanische Führung hofft nun, durch die Verbindung mit dem lateinamerikanischen Ölland Venezuela wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Venezuela hat mit den karibischen Staaten die Erdölgesellschaft Petrocaribe gegründet, die unter anderem auch Kuba Öl zu günstigeren Preisen zur Verfügung stellen wird.

Moderner und effizienter werden die Kraftwerke in Kuba dadurch allerdings nicht. Jedenfalls nicht in diesem Sommer. Hilfe aus den USA und aus der Europäischen Union hat Staatschef Fidel Castro abgelehnt.

Franz Smets/DPA / DPA
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