Irakkrieg Amerikaner immer unzufriedener mit Bush


Immer mehr US-Abgeordnete machen sich für einen Abzug ihrer Truppen aus dem Irak stark. Die Demokraten verlangen darüber eine "ernsthafte Debatte" und auch die Bevölkerung steht mehrheitlich nicht mehr hinter ihrem Präsidenten.

Der Widerstand gegen die US-Truppenpräsenz im Irak wächst: Nach einer Grundsatzrede von US-Präsident George W. Bush zum Irakkrieg hat sich eine hochrangige Kongressabgeordnete für einen schnellen Abzug der US-Truppen ausgesprochen.

Die Minderheitsführerin im Repräsentantenhaus, die Demokratin Nancy Pelosi, sagte am Mittwoch, sie schließe sich einem entsprechenden Aufruf ihres Kollegen John Murtha an. Zwar spreche sie dabei nur für sich selbst, so Pelosi, sie gehe jedoch davon aus, dass die Mehrheit der Demokraten in der Kammer genauso denke. Notwendig sei eine "ernsthafte Debatte" im Kongress über einen Abzug, auch wenn die Republikaner eine Abstimmung vermutlich verhindern würden.

Angesehener Militärexperte fordert Abzug

Der hochdekorierte Veteran und angesehene Militärexperte Murtha hatte am 17. November überraschend einen schnellen Abzug gefordert. Pelosi unterstützte diesen Aufruf damals nicht. Der Abgeordnete Tom Reynolds sagte, ihre Aussage zeige einmal mehr, wie unentschlossen die Demokraten zu dem von Bush ausgerufenen Krieg gegen den Terror stünden. Der Republikaner Bush hatte zuvor vor Kadetten erklärt, es dürfe weiterhin keinen festen Zeitplan für den Abzug der etwa 155.000 US-Soldaten geben.

Die Mehrheit der Amerikaner glaubt aber inzwischen nicht mehr daran, dass Präsident Bush einen Plan hat, wie sich die USA im Irak erfolgreich aus der Affäre ziehen kann. Einer Umfrage des Gallup-Institutes zufolge, sind 55 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Nur 41 Prozent sagten, der US-Präsident habe eine entsprechende Strategie.

54 Prozent der Amerikaner sind sogar der Ansicht, dass die Soldaten und ihr Oberkommandierender Bush schlechte Arbeit leisten würden. 44 Prozent bescheinigen ihm dagegen gute Arbeit.

Seit März 2003 wurden im Irak mehr als 2000 US-Soldaten getötet und 16.000 verwundet. Im November 2006 stehen etwa ein Drittel der Sitze im Senat und alle Sitze im Repräsentantenhaus zur Wahl. In den USA werden die Volksvertreter beider Kammern direkt gewählt.

Die Demokraten im Kongress - ohnehin in beiden Kammern in der Minderheit - haben bislang keine geeinte Haltung zum Irak erkennen lassen. Der Abgeordnete Steny Hoyer hat erklärt, Murthas Plan könne zu einem Bürgerkrieg im Irak führen, der dann zu einem sicheren Hafen für Terroristen würde.

Der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Senator John Kerry hat sich für einen stufenweisen Abzug ausgesprochen, der jedoch von Erfolgen vor Ort abhängen würde. Dieser Meinung wären auch die meisten demokratischen Senatoren, sagte Kerry.

Mit Material von DPA

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