HOME

Iran: Keine Gnade für Überlebenden einer Hinrichtung

Zwölf Minuten am Strang haben nicht ausgereicht, einen iranischen Drogendealer zu töten. Doch von dem unverhofften Glück wird der 37-Jährige nicht viel haben. Er soll nun genesen - um dann zu sterben.

Eigentlich sollte Alireza M. seit über einer Woche tot sein. Am 9. Oktober wurde der wegen Drogenhandels zum Tode verurteilte Iraner gehängt. Zwölf Minuten hing er mit dem Kopf in der Schlinge - das ist Vorschrift. Als die Zeit verstrichen war, stellte der anwesende Arzt den Tod fest, M. kam ins Leichenschauhaus. Doch als die Familie des 37-Jährigen dort die sterblichen Überreste abholen wollte, bemerkte sie überrascht: M. atmet noch.

Was für seine Frau und die zwei Töchter ein echtes Wunder ist, scheint die iranischen Behörden nicht zu kümmern. Zwar darf sich Alireza M. von den Strapazen der missglückten Hinrichtung erholen. Danach aber, das steht fest, soll er sterben. "Er wurde zur Todestrafe verurteilt", teilte ein Sprecher gegenüber iranischen Medien mit, "und die wird nach seiner Genesung vollstreckt."

2013 bereits 508 Opfer der Todestrafe

Amnesty International (AI) hat das gnadenlose Vorgehen gegen den Iraner aufs Schärfste verurteilt. "Dieser Mann blickt nun einer zweiten Hinrichtung entgegen, nachdem er das Prozedere bereits einmal vollständig durchgemacht hat", teilte der AI-Leiter der Abteilung Naher Osten und Nordafrika, Philip Luther, in einem Statement mit. "Dieses Vorgehen macht deutlich, wie grausam und unmenschlich die Todestrafe ist."

Iran ist berüchtigt dafür, Straftäter bereits wegen leichter Vergehen mit dem Tode zu bestrafen. Allein in diesem Jahr sollen 508 Menschen hingerichtet worden sein - und laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch werden es von Jahr zu Jahr mehr.

steh
Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren