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Islamischer Staat: IS vermint antike Stätten von Palmyra

Die Terrormiliz IS hat Menschenrechtlern zufolge Sprengstoff in den Ruinen der syrischen Stadt Palmyra platziert. Noch ist unklar, ob die Extremisten die Zerstörung der historischen Stätten planen.

Die alte syrische Oasenstadt Palmyra gehört zum Weltkulturerbe - und ist momentan akut bedroht

Die alte syrische Oasenstadt Palmyra gehört zum Weltkulturerbe - und ist momentan akut bedroht

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben von Aktivisten die archäologischen Stätten in der syrischen Oasenstadt Palmyra vermint. Es sei aber unklar, ob die Extremisten eine Sprengung der zum Unesco-Welterbe zählenden Ruinen planten, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Womöglich wolle die Miliz auch verhindern, dass die syrische Armee weiter auf Palmyra vorrücke.

Der Direktor der syrischen Altertümerverwaltung, Maamun Abdulkarim, bestätigte die Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien stützt. Einwohner hätten berichtet, dass die Dschihadisten "Minen an den Ruinen angebracht haben", sagte Abdulkarim. "Ich hoffe, dass diese Berichte nicht korrekt sind, aber wir sind beunruhigt." Eine Zerstörung der römischen Ausgrabungsstätte müsse verhindert werden. Der IS hatte bereits im Irak und anderen Teilen Syriens wichtige Kulturerbestätten zerstört.


Armee bereitet möglicherweise Offensive vor

IS-Kämpfer hatten die Stadt im Zentrum Syriens vor einem Monat nach tagelangen Kämpfen von den Regierungstruppen erobert. Wenige Tage später erschossen die Dschihadisten in den Ruinen der Stadt mindestens 20 Männer. Nach Angaben der Beobachtungsstelle, deren Informationen von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen sind, hatten die Regierungstruppen in den vergangenen drei Tagen mehrere Luftangriffe auf Wohngebiete in Palmyra geflogen und dabei mindestens elf Menschen getötet. Die Armee habe Soldaten vor den Toren der Stadt zusammengezogen und bereite möglicherweise eine Offensive vor, erklärten die Aktivisten.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans Frontières, MSF) warf der IS-Miliz unterdessen vor, in den Rebellengebieten im Norden Syriens die Versorgung von Krankenhäusern mir Treibstoff zu blockieren. "Viele Gesundheitseinrichtungen und Hilfsorganisationen mussten ihre Arbeit einstellen oder deutlich zurückfahren, weil ihnen der Treibstoff für Generatoren und den Transport fehlt", sagte die MSF-Direktorin in Syrien, Dunia Dechili. Der IS kontrolliert in Syrien mehrere Ölfelder. Durch die Blockade der Dschihadisten seien mehrere Krankenhäuser von der Schließung bedroht, sagte Dechili.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen betreibt in Syrien fünf eigene Kliniken und unterstützt landesweit mehr als hundert Krankenhäuser, Lazarette und andere Einrichtungen. 

car / AFP
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