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Kritik an Krim-Invasion im Staats-TV Diese Journalistin legt sich mit Putin an


Die Moderatorin Abby Martin hat Russlands Vorgehen in der Krim-Krise scharf kritisiert - obwohl sie beim russischen Staatsfernsehen arbeitet. Im Netz wird die 29-Jährige für ihren Mut gefeiert.
Von Timo Brücken

Wladimir Putin ist ihr Chef, doch das hält die Journalistin Abby Martin nicht davon ab, sein Vorgehen in der Krim-Krise vor laufender Kamera scharf zu kritisieren. "Was Russland getan hat, ist falsch", sagte die Moderatorin des russischen Nachrichtensenders "Russia Today" (RT) am Ende ihrer Sendung am Montagabend. Und stellte klar: "Nur weil ich hier bei RT arbeite, bedeutet das nicht, dass ich keine journalistische Unabhängigkeit hätte." Martins Arbeitgeber ist de facto ein Staatssender, der auf Englisch, Arabisch und Spanisch für ein internationales Publikum ausgestrahlt wird. Das erklärte Ziel von RT: die russische Sicht auf das Weltgeschehen vermitteln.

Martin hingegen sagte am Montag ihre eigene Meinung. Sie sei "gegen jede staatliche Einmischung in die Angelegenheiten einer souveränen Nation" und werde nicht "hier sitzen und militärische Aggression rechtfertigen". Kommentare, die klar auf die russische Regierung zielten. Ihre Gedanken seien bei den Menschen in der Ukraine, sagte Martin, die als "Bauern im Schachspiel globaler Mächte" herhalten müssten und die "wahren Verlierer" der Krim-Krise seien. Sie hofft auf eine friedliche Lösung des Konflikts. "Bis dahin werde ich weiter die Wahrheit sagen, so wie ich sie sehe."

Überraschende Worte für eine Journalistin, die sonst vor allem westliche Medien kritisiert und ihnen Vorurteile gegen Russland vorwirft. Im Netz wird Martin für ihren Mut gefeiert. Sie sei "ein Symbol für ehrlichen Journalismus in einer korrupten Gesellschaft", twittert ein Bewunderer. Ein anderer will vor Begeisterung fast vom Stuhl gefallen sein. Und ein Youtube-Kommentator bescheinigt der Journalistin "dickere Eier als Putin". Andere glauben jedoch, Martin wolle sich mit ihrem Kommentar bloß für einen Job bei westlichen Medien empfehlen. Und sie verweisen auf einen weniger ruhmreiche Auftritt: Zum Beispiel den, als die Moderatorin dem Staat Israel im Umgang mit den Palästinensern "Hitler-Methoden" vorwarf.

Einig sind sich alle jedoch darin, dass Abby Martin wahrscheinlich nicht mehr lange Moderatorin der RT-Sendung "Breaking The Set" sein wird. Schließlich hatte ihre Chefredakteurin noch im vergangenen Jahr gesagt: "Wenn Russland Krieg führt, ziehen wir mit in die Schlacht." Martins Worte könnten ihr also als Verrat ausgelegt werden.

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