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Liebesaffäre seiner Frau: Nordirlands Regierungschef lässt Amt ruhen

Die Sex und Finanzaffäre der Frau von Regierungschef Peter Robinson droht, Nordirland in eine politische Krise zu stürzen: Iris Robinson soll ihrem 40 Jahre jüngeren Geliebten zu Zuschüssen verholfen haben. Ihr Mann bestreitet, davon gewusst zu haben, und zog dennoch jetzt erste Konsequenzen.

Nach pikanten Enthüllungen über eine Affäre seiner Frau und mögliche finanzielle Begünstigungen ihres Liebhabers hat Nordirlands Regierungschef Peter Robinson seinen vorübergehenden Rückzug aus der Politik angekündigt. Der Ministerpräsident werde eine sechswöchige Auszeit nehmen, teilte der Sprecher des nordirischen Parlaments am Montag in Belfast mit. Unternehmensministerin Arlene Foster werde in dieser Zeit sein Amt ausüben. Robinson bestreitet, über die mutmaßlichen Verfehlungen seiner Frau Bescheid gewusst zu haben.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die 60-Jährige Iris Robinson 2008 eine Affäre zu einem damals 19-Jährigen unterhielt. Robinson, die ebenfalls Politikerin ist, soll ihrem Liebhaber zu Zuschüssen in Höhe von 56.000 Euro für die Eröffnung eines Cafés verholfen haben. Dabei machte sie laut Medienberichten allerdings nicht öffentlich, dass sie auch privat mit dem Antragsteller verbunden war. Auch ihr Mann soll von den Geschäften gewusst haben. Der Ministerpräsident bestreitet dies jedoch.

Iris Robinson befindet sich nach Angaben ihres Ehemannes zur Behandlung in einer psychiatrischen Klinik. Die 60-Jährige soll seit Längerem unter schweren Depressionen leiden. Vergangene Woche hatte Iris Robinson öffentlich erklärt, dass sie bereits einen Selbstmordversuch hinter sich hat.

Wirtschaftsministerin verurteilt "Flüster-Kampagne"

Der Druck auf Robinson - Chef der protestantischen Democratic Unionist Party (DUP) - war am Montag immer weiter gewachsen, nachdem Kritiker am Wochenende seinen Rücktritt gefordert hatten. Der Chef der Ulster Unionist Party (UUP), Ex-Ministerpräsident David Trimble, erklärte, Robinson habe seine Glaubwürdigkeit verloren. Er erwarte seinen Rücktritt innerhalb weniger Tage. Robinson steht schon lange in der Kritik, weil er die Machtübergabe in Polizei- und Justizfragen von London nach Belfast verzögert.

Jedoch stellten sich am Montag auch mehrere hochrangige DUP-Minister hinter den angeschlagenen Regierungschef. "Peter Robinson hat nicht nur die Unterstützung der Partei, sondern auch die der ganzen Gemeinde", sagte Finanzminister Sammy Wilson. Die Wirtschaftsministerin Arlene Foster verurteilte die "Flüster-Kampagne" gegen ihn.

Gefahr für den Friedensprozess

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown betonte, der Fokus liege auf dem politischen Prozess in Nordirland. Er sei im ständigen Gespräch mit den nordirischen Parteien sowie mit Irlands Ministerpräsidenten Brian Cowen.

Ein Rücktritt wäre auch eine Gefahr für den Friedensprozess zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland. Robinson steht seit eineinhalb Jahren der Regionalregierung zwischen einst verfeindeter DUP und der katholischen Sinn Fein Partei von Vize-Ministerpräsident Martin McGuinness vor. Ein Rücktritt könnte vorgezogene Wahlen der nordirischen Versammlung auslösen und die Region in die Krise stürzen.

AFP/DPA / DPA