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Mohammed-Zeichnungen: Arbeitslos durch Propheten-Karikatur

Die Reaktionen in der islamischen Welt auf die Mohammed-Karikaturen sind heftig. Norwegen und Dänemark haben sich von ihren Zeitungen distanziert. Ein islamischer Boykott könnte tausende Arbeitsplätze kosten.

In Dänemark wird als Folge eines andauernden Handels- und Käuferboykotts in islamischen Ländern der Verlust von mehr als 11.000 Arbeitsplätzen befürchtet. In einer am Dienstag veröffentlichten Analyse der Jyske Bank zu entsprechenden Initiativen in arabischen Ländern aus Protest gegen Mohammed-Karikaturen in der Zeitung "Jyllands-Posten" hieß es, dass langfristig vor allem der Export von Lebensmitteln und Agrarprodukten in Gefahr sei.

Bei einer Boykottdauer von einem Jahr bedeute das allein für diesen Bereich Einnahmeverluste von 320 Millionen Euro und als Folge den Verlust von 4000 Arbeitsplätzen. Den Wert der dänischen Gesamtausfuhren in die betroffenen Länder bezifferte die Bank auf acht 1,1 Milliarden Euro. Dies entspreche 1,1 Prozent aller Ausfuhren sowie 11.200 Arbeitsplätzen.

Der dänische Lebensmittelkonzern Arla hatte am Montag bereits eine Großmolkerei in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad mit 800 Mitarbeitern wegen des schnell um sich greifenden Käuferboykotts bis auf weiteres geschlossen.

Zu späte Entschuldigung?

Inzwischen hat sich neben der Regierung auch die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" für die vor vier Monaten im Blatt veröffentlichten Karikaturen des Propheten Mohammed entschuldigt: "Geehrte Mitbürger in der muslimischen Welt: Jyllands-Posten hat am 30. September die Vorstellung von zwölf Zeitungszeichnern darüber veröffentlicht, wie der Prophet Mohammed ausgesehen haben könnte. Dies geschah als Teil einer Debatte um die Meinungsfreiheit, die wir in Dänemark sehr hoch schätzen. Die zwölf Zeichnungen waren nach unserer Überzeugung ordentlich und nicht als Kränkung gedacht. Sie stellten keine Verletzung dänischer Gesetze dar, haben aber unabweislich viele Muslime gekränkt, wofür wir uns entschuldigen."

Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen äußerte nach der Entschuldigung von "Jyllands-Posten" für die Kränkung religiöser Gefühle die Hoffnung, dass führende Persönlichkeiten in der islamischen Welt nun Abstand von Boykottdrohungen nehmen würden.

Auch Norwegen im Auge des Zorns

Norwegen ist wegen des Nachdrucks der Zeichnungen in einer Osloer Zeitschrift ebenfalls Adressat von Drohungen mit Boykott und Gewalt aus islamischen Ländern. Außenminister Jonas Gahr Støre sagte im dänischen Fernsehsender TV2, die durch die Veröffentlichung der Zeichnungen erzeugte Unruhe sei "nicht positiv für den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Menschen mit verschiedenen Religionen".

Støre erklärte, als Minister könne und wolle er die Entscheidung von Medien über ihre Veröffentlichungen nicht bewerten. Er meinte weiter: "Jeder hat aber wohl das Recht, seinen Verstand zu gebrauchen." In einer Zeit, in der Glauben für viele Menschen sehr bedeutsam sei, seien "diese Art von Zeichnungen zutiefst provokativ und kränkend". Die Osloer Regierung hatte nach Gewaltandrohungen im palästinensischen Gazastreifen am Montag zwei norwegische Mitarbeiter von Hilfsprojekten aus dem Gebiet bringen lassen.

Inzwischen hat sich Norwegens Regierung über diplomatische Kanäle von den Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" distanziert. Wie am Mittwoch aus dem Osloer Außenministerium bestätigt wurde, sollen die eigenen Botschafter in islamischen Ländern von sich aus gegenüber den Regierungen zum Ausdruck bringen, dass Norwegen Verständnis für Zorn und Betroffenheit von Muslimen wegen der Zeichnungen habe.

DPA / DPA
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