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Schröder-Bush-Treffen: "Es wird ein gutes Gespräch"

Als zweiter deutscher Bundeskanzler nach Willy Brandt wird Gerhard Schröder heute vor der UN- Vollversammlung sprechen. Zuvor wollten Schröder und US-Präsident George W. Bush erstmals seit dem Streit um den Irak-Krieg zu einem Gespräch zusammenkommen.

Bis vor wenigen Wochen hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder noch äußerst gereizt auf Fragen nach seinem persönlichen Verhältnis zu US-Präsident George W. Bush reagiert. Man solle sich doch ernsthaften Themen widmen und nicht der Dauer eines Handschlags, pflegte er den Journalisten zu antworten. Inzwischen sieht Schröder das Thema gelassen.

"Es geht um die Fortsetzung ganz normaler Gespräche auf unterschiedlichen Ebenen", charakterisierte er am Dienstag zum Auftakt seines zweitägigen Besuchs in New York das am heutigen Mittwoch anstehende Treffen mit Bush. Er freue sich auf das erste bilaterale Gespräch mit dem US-Präsidenten seit 16 Monaten. "Es wird ein gutes Gespräch werden."

Treffen im Hotel Waldorf Astoria

Für eine gute halbe Stunde wollen sich Kanzler und US-Präsident im altehrwürdigen Hotel Waldorf Astoria unterhalten. Anschließend, so wünscht es sich jedenfalls die deutsche Seite, sollen sich beide gemeinsam vor den Kameras präsentieren. Schließlich seien beide Seiten daran interessiert, der internationalen Gemeinschaft zu signalisieren, dass sie "sehr, sehr gut zusammenarbeiten", hieß es in deutschen Regierungskreisen. Ob es tatsächlich zu dem gemeinsamen Medientermin kommen wird, blieb am Dienstag allerdings offen.

Zur guten Laune des Kanzlers vor dem Treffen mit Bush dürfte auch ein Interview beigetragen haben, das am Montagabend im US-Sender Fox News lief. Darin äußerte der US-Präsident Verständnis für die deutsche Ablehnung des Irak-Kriegs. Schröder sei damals im Wahlkampf gewesen und außerdem seien die Deutschen im Grunde Pazifisten, weil viele sich an die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs erinnerten. "Und sie haben Saddam Hussein möglicherweise nicht als einen so bösen Menschen angesehen, wie viele andere Leute es getan haben."

Bush verwies darauf, dass Deutschland angeboten hat, Polizisten in Irak auszubilden. Außerdem begrüßte er erneut die "aktive Rolle" der Deutschen in Afghanistan. "Ich schätze diese Unterstützung."

Bush-Interview "guter Auftakt"

Schröder sagte, die Äußerungen seien "ein guter Auftakt für ein intensives, den freundschaftlichen Beziehungen entsprechendes Gespräch." Hinsichtlich einer neuen Irak-Resolution bewegte sich der Kanzler allerdings wieder leicht auf Frankreich zu und rückte damit von der US-Position ab. Im Streit um den Zeitplan für eine Machtübergabe von den Alliierten an das irakische Volk schloss er sich erstmals der Formulierung von Staatspräsident Jacques Chirac an: Es werde "eher in Monaten" gedacht. Bisher hatte Schröder lediglich von einer "möglichst schnellen" Machtübergabe gesprochen. Die USA halten eine kurzfristige Machtübergabe für unrealistisch.

Zusätzliche Hilfsangebote für Irak wird Schröder Bush am Mittwoch voraussichtlich nicht machen. Zwar bekräftigte er die Zusage, unabhängig von einer UN-Resolution irakische Sicherheitskräfte auszubilden. Weitere Finanzhilfen schloss er aber aus. "Wir haben nicht die Absicht, Mittel zu überweisen. Wir sind aber auch gar nicht danach gefragt worden", sagte der Kanzler im Hinblick auf die für Ende Oktober geplante Geberkonferenz in Madrid.

Arbeitsverhältnis statt "Liebesbeziehung"

Wie auch immer die Ergebnisse des Gesprächs zwischen Schröder und Bush ausfallen, eins stellte der Kanzler am Dienstag klar. Es gehe um ein gutes Arbeitsverhältnis und nicht darum, eine "Liebesbeziehung mit dem US-Präsidenten aufzubauen. Bei aller Fantasie, ich weiß wirklich nicht, wie das gehen sollte."

Michael Fischer
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