HOME

Studentenproteste in Paris: Sturm auf die Sorbonne

Ministerpräsident Dominique de Villepin bleibt hart: Mit Tränengas hat die französische Polizei in der Nacht die Pariser Universität Sorbonne gestürmt. Studenten hatten aus Protest gegen die geplanten Arbeitsmarktreformen de Villepins die Traditionsuniversität besetzt.

Die französische Polizei hat am Samstag Medienberichten zufolge Tränengas gegen Studenten eingesetzt, die aus Protest gegen die Arbeitsmarktpolitik der Regierung die Pariser Universität Sorbonne besetzt hatten. Kurz vor vier Uhr in der Nacht stürmten Polizisten in die Sorbonne und zwangen rund 200 Studenten zum Beenden ihrer Protestaktion, wie ein Polizeisprecher bekannt gab. Einige Studenten hätten Polizisten daraufhin mit Flaschen und anderen Gegenständen beworfen.

Erbitterter Widerstand gegen Reform der Arbeitsverträge

Die Studenten hatten die Traditionsuniversität, die 1968 ein wichtiges Zentrum der Studentenproteste war, am Mittwoch besetzt. Vor der Erstürmung durch die Polizei hatten Studenten auch einen Platz vor der Sorbonne und den Boulevard Saint Michel im Herzen des Quartier Latin blockiert. Tausende Menschen protestierten im Verlauf der Woche gegen die Regierungspläne, an zahlreichen französischen Hochschulen organisierten Studenten Demonstrationen.

Die Regierung will eine neue Art von Arbeitsverträgen zulassen, den so genannten CPE. Mit dem CPE könnten Unternehmen junge Menschen unter 26 Jahren mit einer zweijährigen Probezeit einstellen, bevor sie unbefristet beschäftigt werden. Nach Einschätzung von Ministerpräsident Dominique de Villepin würden dadurch Firmen ermutigt, junge Menschen einzustellen. Kritiker sehen hinter den geplanten Maßnahmen eine Erleichterung für Unternehmen, junge Beschäftigte zu entlassen. Dies könne auch das Gefühl der Unsicherheit erhöhen, das als eine der Ursachen für die Krawalle in französischen Vororten 2005 gilt.

De Villepins Stern sinkt

De Villepins Eintreten für diesen Plan hat ihm als möglichen konservativen Kandidaten bei der Präsidentenwahl 2007 zuletzt deutlich an Zuspruch in der Bevölkerung gekostet. Einer Umfrage vom Montag zufolge sank seine Popularität auf den niedrigsten Stand seit seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten im Mai vergangenen Jahres.

Reuters / Reuters
Themen in diesem Artikel