USA-Brasilien Der "Krieg der Fingerabdrücke"


"Gringos", die nach Brasilien reisen, müssen seit dem 1. Januar lange Wartezeiten in Kauf nehmen, weil sie von sich Fotos machen und Fingerabdrücke abnehmen lassen müssen. Als einziges Land hat Brasilien auf die neuen US-Einreisekontrollen reagiert.

"Hier in Brasilien haben wir das Sagen". Mit diesen und ähnlichen Worten bejubeln dieser Tage viele Brasilianer in Zeitungsleserbriefen und vor TV-Kameras die neue Einreiseregelung für US-Amerikaner in ihrem Land. "Gringos", die in Brasilien einreisen wollen, müssen seit 1. Januar Wartezeiten von bis zu acht Stunden in Kauf nehmen, weil sie von sich Fotos machen und Fingerabdrücke abnehmen lassen müssen - mit zum Teil uralten Geräten. Brasilien hat als einziges Land mit einer Gegenaktion auf die neue US- Einreisekontrollen reagiert. Der "Krieg der Fingerabdrücke, wie die Zeitung "O Globo" schrieb, bedroht die Beziehungen zwischen Washington und Brasilia.

"Gegenseitigkeitsprinzip" als Grundlage

US-Außenminister Colin Powell kritisierte die Maßnahme als diskriminierend und rief seinen Kollegen Celso Amorim an. Dieser ließ immerhin nach Angaben der Zeitung "Folha" durchblicken, dass seine Regierung Einspruch gegen die von Richter Julier Silva angeordneten Kontrollen "auf Grundlage des Gegenseitigkeitsprinzips" einlegen könnte. Dazu hat sie bis zum 19. Januar Zeit. Priorität der brasilianischen Regierung sei aber, so betonte Amorim, eine "würdige Behandlung" der Brasilianer in den USA zu erreichen.

Brasilien ist in Lateinamerika seit jeher besonders stolz darauf, unabhängig vom kontinentalen Einfluss der USA zu sein. Obwohl der sozialistische Präsident Luiz Inàcio Lula da Silva auf gute Beziehungen zu Washington setzt, betont auch er immer wieder die Unabhängigkeit seines Landes. Und bei allem Stolz heißen aber längst nicht alle Brasilianer die "Vergeltungsaktion" willkommen. "Was können die armen US-Touristen für das Verhalten ihrer Regierung?", fragen einige. "Was wollen wir mit den vielen Tonnen Fingerabdrücke und Fotos anfangen?", meinen andere.

Tourismus-Branche zeigt sich besorgt

Besonders besorgt ist die Tourismus-Branche und fürchtet, dass sich Brasilien ins eigene Fleisch schneidet. "Die Aktion ist dämlich", klagte Vizechef Roberto Dultra vom Reiseagenturverbandes Bito. Knapp 500 000 Touristen aus den USA hätten im vergangenen Jahr das Land besucht. Nur aus Argentinien seien es mehr gewesen. Und nun habe es bereits erste Stornierungen aus den USA gegeben. Die "Racheaktion" bedrohe das Regierungsziel, die Zahl der ausländischen Besucher bis 2007 von 3,8 auf 9 Millionen zu erhöhen. Und Rio de Janeiros Bürgermeister, Cesar Maia, fürchtet bereits um das bevorstehende Karnevalsgeschäft.

Emilio Rappold DPA

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