Wahlen in Italien Berlusconi argwöhnt Verschwörung


Angriff ist die beste Verteidigung muss sich Silvio Berlusconi gedacht haben und beschuldigt Gerichte Presse, Bankiers und Geschäftsmänner einer Verschwörung. UN-Beobachter sollen nun einen Wahlbetrug der Opposition verhindern.

UN-Beobachter sollen bei den am Sonntag beginnenden Parlamentswahlen in Italien Ministerpräsident Silvio Berlusconi zufolge einen Wahlbetrug der Opposition verhindern.

Auf die Frage, ob die Vereinten Nationen eingreifen müssten, um einen ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl sicher zu stellen, antwortete Berlusconi am Donnerstag: "Darauf können sie wetten". Die Beobachter seien notwendig, "um uns gegen die Männer zu verteidigen, die Experten in der Wahlmanipulation sind", erklärte Berlusconi. "Wir brauchen Beobachter, denn - wenn die Dinge so weiter gehen wie bisher - wer weiß, was sie während der Wahl anstellen." Zuvor hatte Berlusconi in einem verbalen Rundumschlag bereits weite Teile der italienischen Gesellschaft beschuldigt, sich gegen ihn verschworen zu haben. Gerichte, Presse, die Geschäftswelt und die Banken des Landes wollten gemeinsam seine Wahlniederlage herbeiführen, so der Regierungschef.

Berlusconis Familie herrscht über ein Medienimperium, zu dem neben Zeitungen und Buchverlagen unter anderem drei der größten Fernsehsender des Landes gehören. Der Ministerpräsident selbst sieht sich jedoch als Opfer einer gegen ihn gerichteten Medienkampagne.

Berlusconi gleicht seiner Karikatur

Mit Blick auf den in Italien angelaufenen Film "Der Kaiman" - eine Satire über den italienischen Ministerpräsidenten - kommentiert die Zeitung "La Repubblica" Berlusconis Wahlkampf mit den Worten:

"Es ist wohl das Schicksal der Demagogen, dass sie am Ende immer ihren Karikaturen gleichen. Der heutige Berlusconi "erinnert" nicht an, sondern "ist" der Kaiman. Ein in die Ecke gedrängter Machtmensch, vom Zorn übermannt und dazu entschlossen, seine wahrscheinliche Niederlage in eine nationale Tragödie zu verwandeln. Und damit also eine sehr gefährliche Persönlichkeit. (...) Der echte Berlusconi ist viel beunruhigender als der in den Kinos dargestellte. Aber überhaupt waren Emotionen, Gefühle und Wut die Protagonisten dieses absurden Wahlkampfes."

Reuters/DPA DPA Reuters

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