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11. SEPTEMBER: Weltweit erster Prozess gegen Terroristenhelfer

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt am Dienstag in Hamburg der erste Prozess um die Terror- Anschläge vom 11. September 2001. Angeklagt ist der mutmaßliche El Kaida-Terrorist Mounir el Motassadek.

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt am Dienstag in Hamburg der weltweit erste Prozess um die Terror- Anschläge vom 11. September 2001. Angeklagt ist der mutmaßliche El Kaida-Terrorist Mounir el Motassadek. Dem 28-jährigen Marokkaner wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3116 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Der Prozess vor dem 3. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts ist vorerst bis Ende Januar 2003 terminiert.

»In die Attentatsvorbereitungen eingebunden«

Laut der 89 Seiten starken Anklageschrift soll Motassadek spätestens von Sommer 1999 an die Hamburger Gruppe um den Todespiloten Mohammed Atta unterstützt haben. Atta hatte eines der entführten Flugzeuge in das World Trade Centre in New York gesteuert. Motassadek war nach Überzeugung von Generalbundesanwalt Kay Nehm »bis zuletzt in die Attentatsvorbereitungen eingebunden«.

Statthalter in Hamburg

Er soll in der Terror-Zelle in der Harburger Marienstraße 54 die Funktion eines Statthalters in der Hansestadt ausgeübt haben und spielte nach Erkenntnissen der Ermittler zudem eine maßgebliche Rolle bei der Finanzierung der terroristischen Vereinigung. Bereits im Oktober 2001 war Motassadek ins Visier der Terrorfahnder geraten. Ende November wurde der Marokkaner verhaftet und saß seitdem im nordrhein-westfälischen Wuppertal in Untersuchungshaft. Erst vor wenigen Tagen war er nach Hamburg überstellt worden.

Vom Untersuchungsgefängnis wird Motassadek am Dienstagmorgen durch einen unterirdischen Gang bis in das benachbarte Strafjustizgebäude geführt. Gegen 9.00 Uhr wird er durch eine massive Stahltür den Verhandlungssaal betreten. Sein Anwalt Hartmut Jacobi kündigte an, dass der Angeklagte aussagen wird. »Er wird nicht zu den Schweigern gehören, sich umfassend einlassen und die angeblichen Beweise entkräften«.

Insgesamt sollen rund 160 Zeugen gehört werden. Auch der in Pakistan gefasste mutmaßliche Terrorist Ramzi Binalshibh soll als Zeuge geladen sein. Er gilt als Drahtzieher der Anschläge in den USA. »Wir kommentieren das nicht«, sagte dazu eine Gerichtssprecherin.

Massive Sicherheitsvorkehrungen

Massive Sicherheitsmaßnahmen begleiten das seit Jahren spektakulärste Verfahren in der Hansestadt. Die Polizei sperrte bereits einen Tag vor Prozessbeginn zwei Straßenzüge vor dem Strafjustizgebäude für den Verkehr. Eigens für das Verfahren wurde der mit Stahltüren zusätzlich gesicherte Saal 237 umgebaut. Eine Panzerglasscheibe trennt den Verhandlungsbereich und den Zuschauerraum.