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15 x Angela Merkel Wie Weggefährten die Kanzlerin sehen


Seit acht Jahren regiert Angela Merkel. Aber kennen wir sie? Der stern hat Menschen getroffen, die ihr nahe gekommen sind. Und wissen: Die Kanzlerin will ihr öffentliches Bild selbst bestimmen.
Von A. Hoidn-Borchers, A. Vornbäumen, J. C. Wiechmann

Der Satz war komplett untypisch für Angela Merkel. Er war: klar. Prägnant. Kurz. Nur drei Worte brauchte die Kanzlerin, um am Ende des TV-Duells mit Peer Steinbrück für sich und ihre Wiederwahl zu werben: "Sie kennen mich." Es ist die kürzest mögliche Form für: Bei mir wissen Sie, woran Sie sind. Mit mir erleben Sie keine Überraschungen. Mir können Sie vertrauen und getrost Ihre Stimme geben.

Angela Merkel, klar kennen wir sie: Das ist die Frau mit der Raute und den lustig geballten Fäustchen, wenn die deutschen Kicker ein Tor schießen. Die Kanzlerin, die Schlaf tanken kann wie ein Kamel und deshalb selbst in den längsten Euro-Krisen-Nächten immer hellwach ist. Die Gattin, die ihrem Mann selbst Kuchen backt und dabei manchmal ein paar Streusel zu wenig produziert. Eine sympathische Mutter der deutschen Kompanie, durch nichts und niemanden aus der Bahn zu werfen.

Das öffentliche Bild, kontrolliert

Es ist das Bild, das die Kanzlerin von sich selbst zeichnet. Aber stimmt es auch? Wer ist diese Frau wirklich? Der stern hat für seine jüngste Ausgabe versucht, hinter dieses offizielle Bild zu leuchten und Menschen, die ihr auf ganz unterschiedliche Art näher gekommen sind, gebeten, darüber zu sprechen, wie sie Angela Merkel erlebt haben, privat und als Politikerin. Mit ihren Stärken, aber auch ihren Schwächen. Und zwar nicht, wie im Berliner Betrieb üblich im Schutze der Anonymität, sondern mit geöffnetem Visier.

Es war nicht einfach. Denn zumindest diese Erkenntnis teilt die Kanzlerin durchaus mit Lenin: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Sie will selbst bestimmen, was die Wähler von ihr wissen sollen. Sie muss dabei gar nicht mehr besonders aktiv werden. Die Beteiligten haben längst verinnerlicht, was Merkel von ihnen erwartet - und handeln entsprechend: Sie schweigen eisern. Manche trauten sich nicht, offen mit dem stern zu reden. Anderen wurde dezidiert geraten, es nicht zu tun. Und einige zogen ihre Zitate wieder zurück.

Ihre Beliebtheit, ein "Haltungswert"

"Wenn man mit der Beziehung zu ihr angibt, ist die Beziehung zu Ende", sagt der CDU-Politiker Elmar Brok, Merkels Mann in Brüssel und Straßburg. Brok war einer derjenigen, die trotzdem bereit waren, mit dem stern zu reden und so zu einem ungewöhnlichen Porträt beizutragen, das nur aus wörtlichen Zitaten besteht und Schlaglichter auf eine Frau wirft, die größten Wert darauf legt, das ihr niemand ungebeten zu nahe kommt. Und die es längst brillant versteht, ihre Schwächen in Stärken zu verwandeln. Man könnte auch sagen: Angela Merkel ist die Meisterin der inszenierten Nicht-Inszenierung.

Ihre Beliebtheit sei "eigentlich ein Haltungswert", sagt der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust. "Sie ist optisch eine wiedererkennbare Größe in den Wirren der Zeit." Der Schnitt ihrer Jacken, ihre Art zu reden, die ewigen schwarzen Hosen. "Sie ist immer gleich." Und wenn sie sich verändert, geht sie unauffällig vor, so dass man es kaum bemerkt. "Gucken Sie sich mal Bilder an mit ihrer alten Helmfrisur", rät der Politologe Werner Weidenfeld, der Merkel seit zwei Jahrzehnten kennt. "Ein Riesenunterschied zu heute." Um ihre Authentizität nicht aufs Spiel zu setzen, habe sie "die Frisur immer nur millimeterweise über längere Zeit fortentwickelt. Ein ganz geschicktes Vorgehen."

Schrittchen, kleine

Im neuen stern finden Sie weitere überraschende Einsichten und Beobachtungen jener Frau, die - wie Weidenfeld sagt - exakt so Politik macht wie sie ihre Frisur ändert. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es in unserer Bildergalerie.


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