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Adoptionsrecht für homosexuelle Paare: Gebt es auf, ihr Konservativen!

Wie viele Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts braucht die Union noch, um es zu kapieren? Homosexuelle sind keine schlechteren Menschen, Partner und Eltern.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Wann endlich geben sie auf, die Kanzlerin, die Regierung und die Union? Wann endlich stellen sie homosexuelle Lebenspartnerschaft und heterosexuelle Ehe vollends gleich? Wann endlich wird die Politik das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz respektieren, das immerhin schon über sechs Jahr in Kraft ist? Als wenn es in unserer Demokratie noch etwas darüber zu streiten gäbe, dass sexuelle Orientierungen unterschiedlich sein können.

Bis heute ist es jedoch so, dass das Bundesverfassungsgericht (BVG) die Politik erst mit dem Knüppel zum Handeln zwingen muss, wenn es um familienrechtliche Fragen und die Gleichbehandlung geht. Nun hat das BVG entschieden: Homosexuelle dürfen das Kind, das ihr jeweiliger Lebenspartner in eine eingetragene Partnerschaft mitbringt, adoptieren. Sie sind dann ganz offiziell Eltern - und haben dieselben Rechte und Pflichten wie "normale" Paare.

Katholische Kirche ohne Autorität

Warum hat die Union versucht, das zu verhindern? Weil CDU/CSU und die katholische Kirche noch immer nicht in der Neuzeit des gesellschaftlichen Lebens angekommen sind. Sie fremdeln mit Homosexuellen, halten Heterosexualität für die Norm und fördern diese einseitig. Solche ideologischen Scheuklappen haben im Deutschland des 21. Jahrhunderts nichts zu suchen.

Was bisher schlechte Praxis war, drückte vor allem auf das Wohl der Kinder. Denn das Verbot der sogenannten Sukzessivadoption machte es Kindern unmöglich, die zweite Mutter oder den zweiten Vater als vollwertigen Elternteil zu verstehen. Damit ist nun Gottseidank vorbei. Und die Regierung sollte die Botschaft des Bundesverfassungsgerichts richtig verstehen. Wenn die Sukzessivadoption erlaubt ist, wird es homosexuellen Paaren früher oder später auch gestattet sein, ein Kind zu adoptieren, das nicht mit einem der beiden Partner blutsverwandt ist. Wem sollte es auch nützen, wenn zwei Frauen oder zwei Männern, die sich lieben, keine Kinder adoptieren dürfen? Es nützt vielleicht der katholischen Kirche, um ihr überkommenes Weltbild zu stabilisieren. Aber gerade die katholische Kirche hat keine moralische Autorität mehr, sich in diesen Fragen einzumischen. Die Debatte um sexuellen Missbrauch von Ministranten und Internatszöglingen hat gezeigt, dass ihr das Wohl der Kinder im Zweifelsfall ziemlich schnuppe ist.

Adoptions- und Steuerfragen

Das Verfassungsgericht hat bisher, und dafür kann es nicht hoch genug gelobt werden, anders als die Politik immer im Interesse der Kinder entschieden. Setzt die Bundesregierung ihren hinhaltenden Widerstand gegen eine weitere Liberalisierung des Familienrechts fort, wird sie die nächste Lektion erteilt bekommen. Längst geht es nicht mehr nur um die Adoptionsfrage, sondern auch um die steuerliche Gleichbehandlung. Schon im Dezember 2012 urteilte der Bundesfinanzhof, dass das Ehegattensplitting vorläufig auch auf eingetragene Lebenspartnerschaften anzuwenden ist.

Die Konservativen in der Union müssten nur eins und eins zusammenzählen, um zu wissen: Sie haben ihren ideologischen Krieg bereits verloren. Und das ist gut so.

  • Hans Peter Schütz