Deutscher Schulpreis Gesucht wird die beste Schule Deutschlands


Wer bietet kreative Konzepte, tollen Unterricht, ein angenehmes Klima für Kinder und Lehrer? Der Deutsche Schulpreis belohnt Vorbilder. Alle Schulen können sich jetzt bewerben.
Von Catrin Boldebuck

Der Streit um die Schule entscheidet zurzeit Wahlen im Land. Wahlforscher fanden heraus, dass für viele Bürger Schul- und Bildungsthemen wichtiger als Arbeitsmarkt oder innere Sicherheit sind. Nicht nur die 20 Millionen Väter und Mütter mit schulpflichtigen Kindern machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Söhne und Töchter.

Schule ist das Thema - ob in Talkshows oder Firmenkantinen. Bei Johannes B. Kerner trat ein Kinderarzt auf, der den alarmierenden Satz sagte: "Schule macht Kinder krank." In Zeitungen gestehen Lehrer freimütig: "Meine Schüler tun mir leid." Im stern griffen in der vergangenen Woche Doris Schröder-Köpf, die Ehefrau des Altkanzlers, und TV-Moderator Reinhold Beckmann in die Diskussion ein und kritisierten: "Die Turbo-Schule ist Quatsch, wie sie jetzt organisiert ist." Beide fordern eine Ganztagsschule. stern-Leser berichteten daraufhin: "Die Kids sind völlig überlastet!" oder: "Seit der Klasse 8 wird am Gymnasium kräftig aussortiert."

Alle Reformen stecken im Chaos

Vor allem die "G8-Reform" empört Eltern, Lehrer und Schüler: die Verkürzung der Gymnasialzeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre. Doch nicht nur das Turbo-Abi schafft Probleme, nahezu alle Schulformen stecken im Reformchaos. In Berlin sollen alle Kinder bereits mit fünf Jahren zur Schule. In Bayern werden die Hauptschulen ausgebaut - in Hamburg und Schleswig-Holstein hingegen werden sie abgeschafft. Hier soll es künftig Stadtteil- und Regionalschulen geben.

Doch nicht überall im Land herrschen Frustration und Chaos. Unter den mehr als 30.000 allgemeinbildenden Schulen gibt es viele, die hervorragende Arbeit leisten. Seit zwei Jahren zeichnet der Deutsche Schulpreis vorbildliche Schulen aus. Die Initiatoren des inzwischen größten und am höchsten dotierten deutschen Schulwettbewerbs sind die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung in Kooperation mit dem ZDF und dem stern.

"Ihr seid eine ganz tolle Schule!"

651 Schulen haben sich seit 2006 um den Deutschen Schulpreis beworben. Die Dortmunder Grundschule Kleine Kielstraße wurde 2006 von Bundespräsident Horst Köhler mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Bei einem Besuch in der Schule sagte er: "Ihr seid eine ganz tolle Schule! Der Deutsche Schulpreis ist wichtig. Er kann helfen, so gute Beispiele wie euch bekannter zu machen."

Die Kleine Kielstraße liegt in einem sozialen Brennpunkt in Dortmund, 83 Prozent der Kinder stammen aus Migrantenfamilien, viele sprechen schlecht Deutsch. Die Besonderheiten der Schule: Die Lehrer bereiten ihren Unterricht gemeinsam vor, und sie arbeiten eng mit den Eltern zusammen. Bereits vor der Einschulung beginnen die Lehrer mit der Förderung ihrer Schüler.

2007 ging der Deutsche Schulpreis an die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim, die zwar nach dem Firmengründer Bosch benannt wurde, aber keine Verbindung zur Stiftung hat. Das Besondere an dieser Schule: Gelernt wird fächerübergreifend, Lehrer hospitieren gegenseitig im Unterricht. Mithilfe eines Unternehmensberaters analysierten die Pädagogen Stärken und Schwächen und krempelten dann innerhalb von drei Jahren ihre Schule um. Die hat inzwischen doppelt so viele Bewerber wie Plätze.

Die beiden ausgezeichneten Schulen bekommen weder mehr Geld noch mehr Lehrerstellen als andere. Jede Schule könne so arbeiten wie sie, sagt Wilfried Kretschmer, der Schulleiter der Robert- Bosch-Gesamtschule: "Das ist eine Frage des Wollens, nicht der Ressourcen." Der Deutsche Schulpreis unterstützt die Veränderungen - ab 2008 bekommt die Siegerschule 100.000 Euro.

Zum dritten Mal startet nun der Wettbewerb. Jede Schule kann sich bewerben, die neue Wege im Unterricht geht.

print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker