Dresden Friedensmarsch gegen rechts


Zehntausende haben in Dresden der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gedacht. Mit Kerzen setzten sie ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und protestierten gegen einen Aufmarsch von Neonazis.

Mehr als 50.000 Menschen haben am Sonntag in Dresden den 60. Jahrestag der Zerstörung der Elbestadt im Zweiten Weltkrieg gedacht und ein Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Am späten Abend zogen Hunderte Dresdner unter dem Geläut aller Kirchenglocken schweigend und mit brennenden Kerzen zur wiedererrichteten Frauenkirche. Zwischen 21.45 Uhr und 22.00 Uhr wird jährlich an den ersten Angriff britischer Bomber erinnert, die die Innenstadt in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 binnen Stunden in Schutt und Asche legten. Dem Feuersturm fielen schätzungsweise rund 35.000 Menschen zum Opfer.

Ein Friedenslicht vor der Semperoper

Wenige Stunden zuvor hatten rund 50.000 Menschen in Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt aus zigtausend Kerzen auf dem Pflaster vor der Semperoper ein überdimensionales Friedenslicht geschaffen. Sie protestierten damit auch gegen den Aufmarsch von etwa 5000 Neonazis aus ganz Deutschland, die am Mittag unter massivem Polizeiaufgebot durch die Stadt gezogen waren. Schirmherr des "Trauermarschs" der Rechten war die NPD, die seit 2004 in Sachsens Landtag sitzt.

Die Polizei verhinderte mit 2400 Beamten aus sechs Bundesländern Zusammenstöße mit gewaltbereiten linken Demonstranten. 75 Personen aus beiden Lagern wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, einige wenig später wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen 32 Personen wurden Ermittlungen wegen verschiedener Straftaten wie Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Tragens von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen eingeleitet.

"Diese Stadt hat Nazis satt"

Auf dem Altmarkt leuchtete der Schriftzug "diese Stadt hat Nazis satt" aus brennenden Kerzen. Als Symbol des Widerstandes dienten weiße Rosen. Zum stillen Gedenken an die schätzungsweise 35.000 Toten der Luftangriffe britischer und amerikanischer Bomber war erstmals der Innenraum der Frauenkirche für drei Stunden geöffnet. Das Gotteshaus, das am 15. Februar 1945 einstürzte, ist auch mit Geld aus Großbritannien und den USA wiedererstanden. Hunderte warteten geduldig, um in dem verhüllten und dunklen Kirchraum eine Kerze abzustellen. Zahlreiche Lichter brannten auch entlang des Bauzaunes sowie in den Fensternischen der Kathedrale am Schloss.

DPA DPA

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