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Eklat auf der Bundespressekonferenz: Guttenberg bringt Journalisten gegen sich auf

Und das passiert ausgerechnet ihm: Karl-Theodor zu Guttenberg bringt die Hauptstadtjournalisten gegen sich auf, weil er nur einem erlesenen Kreis seine Erklärung vorlas.

Als sei die Affäre selbst nicht schon peinlich genug, hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen auch noch einen Eklat ausgelöst und die Hauptstadtjournalisten gegen sich aufgebracht.

Für die Stellungnahme am Freitag in seinem Ministerium schloss der sonst keineswegs öffentlichkeitsscheue CSU-Politiker einen Großteil der deutschen Medien einfach aus. Hinter den Mauern des Ministeriums erklärte er dann vor einzelnen Redakteuren, Fotografen und Kameraleuten, dass er bis zum Ergebnis der Prüfung der Vorwürfe seinen Doktortitel nicht führen werde.

Guttenberg sagte der erlesenen Auswahl kurz vor dem Mittag: "Sollte sich jemand (...) durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid. Währenddessen saßen die Hauptstadtkorrespondenten in der Bundespressekonferenz (BPK) mit Regierungssprecher Steffen Seibert und Guttenbergs Sprecher Steffen Moritz, der darauf verwies, dass der Minister "in diesen Minuten" seine Erklärung vor "ausgewählten Medienvertretern" abgebe, die vor dem Gebäude gewartet hätten. Folge: Die in der BPK sitzenden Journalisten verließen aus Protest fast vollständig den Saal. Der Korrespondent der "Leipziger Volkszeitung", Dieter Wonka, konfrontierte Moritz mit dem Vorwurf, der Minister habe sich aus "Feigheit" vor den Medien in sein Ministerium zurückgezogen.

Guttenbergs Begründung

Noch unmittelbar vor Guttenbergs Stellungnahme hatte das Ministerium auf Anfrage nicht einmal bestätigen wollen, dass er überhaupt eine Erklärung abgibt. Auch viele vor dem Ministerium wartende Journalisten seien nicht hineingelassen worden, berichtete von dort ein Korrespondent des Nachrichtensenders n-tv.

In der CSU und im Verteidigungsministerium wurde anschließend argumentiert, Guttenberg habe im Ministerium bleiben wollen, weil er Kenntnis von dem getöteten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gehabt und sich darum habe kümmern wollen. In seiner Stellungnahme deutete Guttenberg den Vorfall auch bereits an: "Ich trage die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz, wie ein Ereignis am heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt."

ben/DPA / DPA
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