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Hooligan-Demo in Hannover: Wilde Männer im Zoo

Hier die Hooligans, dort die Linken - und überall die Polizei, die beide Gruppen voneinander abschirmte. Die Hooligan-Demo HoGeSa in Hannover verlief weitgehend friedlich.

Von Kuno Kruse, Hannover

Die Hooligans kamen weniger zahlreich als gedacht: Nur 3000 der angemeldeten 5000 Teilnehmer tauchten tatsächlich auf.

Die Hooligans kamen weniger zahlreich als gedacht: Nur 3000 der angemeldeten 5000 Teilnehmer tauchten tatsächlich auf.

Kein Hooligan betritt ungeleitet von Polizisten den Platz, jeder wird vorher abgetastet. Bierflaschen sind vor Antritt der Kundgebung zu leeren. Schon auf dem Bahnhof von Hannover haben Polizisten lange Korridore aus Absperrgittern errichtet. Nur einzeln dürfen die Hooligans zur Kundgebung passieren. Im Bahngebäude und überall rund um den Platz warten Beamte in Straßenkampfmontur. Riesige Wasserwerfer und auch Räumfahrzeuge stehen bereit.

Die Kundgebung der Hooligans gegen Salafisten wird durch Absperrungen und Polizeihundertschaften zu einer geschlossenen Veranstaltung hinter dem Bahnhof. Die Demonstranten, vorwiegend Männer in Schwarz, sind eher enttäuscht. Nur langsam sammelt sich ab 11 Uhr eine kleine Menge auf dem viel zu großen Platz, und am frühen Nachmittag ist klar, dass sie keine 2000 werden. Trotz des spielfreien Tags in der Bundesliga.

Mit kleiner Lautsprecheranlage und großer Mühe versucht ein vermeintlicher Fußballfreund in einem Fleecepullover in den Farben von Dynamo Dresden auf einer kleinen Bühne die Gemüter in antisalafistische Wallung zu bringen. Die Parolen mit ihrem "Hoch auf die nationale Solidarität", der Schlachtruf "Schland", wie ihn jeder von Weltmeisterschaften kennt, verebben schnell. Der Auftritt der angekündigte Band "Kategorie C" aus Bremen war von der Justiz verboten worden, so muss der angereiste Sänger seine Stimme aus der Konserve hören. Die Organisatoren hatten bis einen Tag vor der Kundgebung vergeblich versucht, mehrere Beschränkungen gerichtlich aufheben zu lassen. Am Freitagabend wies das zuständige Oberlandesgericht Lüneburg die Beschwerden zurück.

Buntes Bündnis auf der Gegenseite

Die Hooligans dürfen sich zu Kundgebung versammeln, durch die Stadt zu demonstrieren haben ihnen die Richter aber nicht erlaubt. "Hier sieht uns keiner", beschwert sich ein junger Mann mit einem Faible für auffällige Pircings. "Wir sind eingesperrt wie im Zoo." Dabei werden sie gesehen, durch Hunderte von Kameraobjektiven der Reporter und verewigt durch die Linsen eigenen Handys.

Und sie werden durchaus kritisch gesehen - zumindest von den Demonstranten auf der anderen Seite der breiten Straßenüberführung, unter der sich mehrere Polizeihundertschaften formiert haben. Das bunte Bündnis dort, mit doppelt so vielen Demonstranten und einem deutlich höheren Frauenanteil, wartet in Sichtweite der Versammlung der wilden Fußballfreunde.

"Wir wissen, dass wir richtige Männer sind"

Linke Antifa-Aktivisten, ebenfalls in Schwarz, versuchen aus der deutlich größeren Gegendemonstration heraus zu den rechtsextremen Hooligans durchzubrechen. Das vereitelt die Polizei mit Pfefferspray. Auf der anderen Seite des breiten Polizeikorridors plustern sich Hooligans auf. Ihre Ordner versuchen zu beruhigen: "Wir wissen, dass wir richtige Männer sind" und "Wir haben soviel in die Vorbereitung gegeben, Männer, macht uns das nicht kaputt." Die Ordner wollen keine Bilder wie die aus Köln, als plötzlich ein unbewachter Polizeiwagen in der Menge stand und von den Hooligans umgekippt wurde.

Am Nachmittag verlassen die Hooligans den Platz. In Gruppen von je etwa hundert Teilnehmern werden sie durch die von Polizeiketten gesäumten Absperrungen gelassen. Von der Gegenveranstaltung des antifaschistischen Bündnisses schallt laute Musik herüber.