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Interview: Westerwelle droht Schwulen-Hassern

2009 will Guido Westerwelle an die Macht - am liebsten mit der CDU, zur Not auch anders. Im stern-Gespräch bewirbt er sich für das Amt des Außenministers - und droht Staaten, die Frauen als Menschen zweiter Klasse behandeln oder Homosexuelle hinrichten.

Von Axel Vornbäumen

Sollte seine Partei 2009 nach elfjähriger Oppositionszeit wieder an die Regierung kommen, peilt FDP-Chef Guido Westerwelle den Posten des Außenministers an. "Wenn ich mir ein solches Amt nicht zutrauen würde, hätte ich nicht Vorsitzender der FDP werden dürfen," sagte er in einem Gespräch mit dem stern. Westerwelle wäre der erste bekennende Schwule, der das Außenamt leiten würde. Ein Hindernis sieht der FDP-Chef darin nicht: "Die ganz große Mehrheit der Bevölkerung hat überhaupt kein Problem mit meinem Privatleben. Es würde unserer Außenpolitik übrigens gut anstehen, wenn sie diesen Geist der deutschen Toleranz in andere Länder tragen würde".

Im stern-Interview sprach Westerwelle sich explizit dafür aus, jenen Staaten die Entwicklungshilfe zu streichen, die Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelten "oder wo Männer und Frauen hingerichtet werden, nur weil sie homosexuell sind". Deutsche Außen- und Entwicklungspolitik müsse "immer auch die Vermittlung von freiheitlichen Werten sein".

Gnade mit Fischer

Westerwelle warf der Bundesregierung vor, das Thema Abrüstung zu vernachlässigen. Durch die geplante Raketenstationierung der USA in Polen und Tschechien sei "die Gefahr der Aufrüstungsspirale unmittelbar vor unserer Haustür" sehr groß geworden. Es sei ein Versäumnis, dass der vom designierten US-Präsidenten Barack Obama geäußerte Wunsch nach eine nuklearwaffen-freien Welt von der Bundesregierung nicht aufgegriffen und in eine deutsche oder europäische Initiative umgesetzt worden sei. Der FDP-Chef ließ in dem stern-Gespräch auch durchblicken, dass er die Rolle des früheren Außenministers Joschka Fischer im Nachhinein weit positiver sehe, als er das noch zu dessen Amtszeit zugegeben habe. Fischer habe "schon Verdienste: Die Raubauzigkeit, mit der Gerhard Schröder international aufgetreten ist, hätte zu sehr viel größeren Problemen für Deutschland geführt, hätte Außenminister Fischer sie nicht geglättet. Auch das erkenne ich an."

Westerwelle machte klar, dass er auch im Falle einer Wahlniederlage in der Politik bleiben werde. Er sei ein "Alphatier," habe klare Werte und eine Leidenschaft fürs Gestalten und Führen. Er hege keinerlei Ausstiegsfantasien - "was soll ich auf einem fetten Motorrad wochenlang in der Wüste?" Und auch das Alter schrecke ihn nicht - "dazu bin ich noch nicht nah genug dran".

Kinder und Melancholie

Beim Gespräch in seinem Abgeordnetenbüro in Berlin-Mitte bezeichnete sich Westerwelle als "zufriedenen - und sogar öfter als man es verlangen darf - glücklichen Menschen." Schade sei allerdings, dass es sich für ihn nicht ergeben habe, Kinder zu haben. "Wenn ich sehe, wie viel Glück mit Kindern verbunden ist, kann ich manchmal schon melancholisch werden, ja."