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Kanzlerin im Interview: Merkel kokettiert mit Grünen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht den Grünen Avancen. Im Gespräch mit dem stern sieht die Kanzlerin Parallelen der Christdemokraten mit der Öko-Partei und schließt sogar eine Koalition auf Bundesebene nicht aus. Auch einige ihrer programmatischen Aussagen dürften den Grünen gefallen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Grünen attestiert, "sich erheblich entwickelt" zu haben. In einem Interview des stern sagte Merkel, es gebe inzwischen "interessante Übereinstimmungen" zwischen der CDU und der Ökopartei, "aber natürlich auch große Unterschiede". Schwarz-Grün als Machtoption nach den Bundestagswahlen im kommenden Jahr schloss die Kanzlerin nicht aus, eine Koalition mit der FDP hätte aber "die größten Gemeinsamkeiten".

Im Gespräch mit dem stern übernahm die Kanzlerin Positionen, die bei den Grünen auf Sympathie stoßen werden. So sprach sich Merkel dafür aus, die konstant hohe Bebauung von Landschaft in Deutschland zu stoppen. "Wir müssen Wirtschaftswachstum und Flächenverbrauch entkoppeln, dürfen die Städte nicht immer weiter in die Fläche wachsen lassen."

Nach ihrer Ansicht kann "der Artenschutz gar nicht hoch genug bewertet werden". Das weltweite Sterben von täglich 150 Arten bedeute "eine reale Bedrohung unseres eigenen Lebens". Merkel: "Je schmaler die Artenvielfalt ist, desto anfälliger wird auch der Mensch." In Bonn startete am Montag die Artenschutzkonferenz der Vereinten Nationen mit Teilnehmern aus 190 Staaten. Sie läuft zwei Wochen.

Merkel plädierte auch für den "verantwortlichen Einsatz von Gentechnik" - andernfalls könne das Welternährungsproblem nicht gelöst werden. "Wenn wir es ernst meinen mit der Hilfe für hungernde Menschen, dürfen wir die Gentechnik nicht kategorisch verbieten", sagte die Kanzlerin. Sie sprach sich dafür aus, an den europäischen Plänen zum Ausbau der Biosprit-Produktion festzuhalten. "Ich bin sehr dafür, die Biosprit-Produktion nicht wild wuchern zu lassen, sondern sie nachhaltig zu entwickeln. Aber ich halte überhaupt nichts davon, erst auf Biosprit zu setzen und ein halbes Jahr später wieder auszusteigen."

Deutlich über Kreuz liegt die Kanzlerin mit den Grünen beim Thema Energie. Merkel nannte es "unverantwortlich", gleichzeitig auf den Ausstieg aus der Atomenergie zu setzen und keine neuen Kohlekraftwerke bauen zu wollen. "Ich möchte, dass in Deutschland so viel Energie erzeugt wird, dass wir als Industrieland nicht zu abhängig von anderen Ländern werden."

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