Kölner Groß-Moschee "Der Islam ist das Problem"


Die umstrittene Kölner Moschee ist fertig - als Computermodell. Trotz vieler Bedenken hat Architekt Paul Böhm die Minarette nicht gestutzt. Für Ralph Giordano, schärfster Gegner des Vorhabens, ist der Bau eine "Kriegserklärung an die Integration".
Von Christian Parth

Nach einer Stunde nimmt Paul Böhm das Endoskop in Betrieb. Mit wackliger Hand führt der Architekt die Minikamera durch das Modell der Zentralmoschee, die im Kölner Stadtteil Ehrenfeld entstehen soll. Er fährt durch schmale Gassen, vorbei an dem Einkaufszentrum, wo nach Vision der türkischen Bauherren später einmal das multi-kulturelle Leben pulsieren wird. Außer Schweinefleisch, Alkohol und Sexartikeln soll es dort reichlich Angebot geben.

Dann ein Schwenk zur Außenfassade des Gotteshauses hin zu den beiden Türmen, auf denen der Halbmond prangen wird. Dann sagt Böhm: "Die Höhe der Minarette wird bleiben wie geplant."

"Zeichen schleichender Islamisierung"

Die zwei Türme, die 55 Meter in den Kölner Himmel emporragen sollen, waren in den vergangenen Monaten zum Symbol einer heftig geführten Integrationsdebatte geworden. Der in Köln lebende jüdische Schriftsteller Ralph Giordano hatte die "Gigantomanie" des Böhm’schen Entwurfs als Zeichen einer schleichenden Islamisierung kritisiert und damit eine allgemeine Integrationsdebatte entfacht, die inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Und letztlich die Politik dazu zwang, die Ausmaße des Modells tiefgreifender zu erörtern.

"Natürlich nehme ich die Bedenken der Politiker und Bevölkerung sehr ernst", sagte Böhm während der heutigen Pressekonferenz zur Präsentation des überarbeiteten Entwurfs. Die Aufgabe eines Architekten sei es aber auch, sowohl gesellschaftlich als auch baukünstlerisch die höchstmögliche Qualität zu erlangen. "Da kann ich es nicht verantworten, Kompromisse einzugehen, um den größten gemeinsamen Nenner zu finden." Böhm habe nämlich auch mit kleineren Minaretten experimentiert. Die 49 Meter hohen Türme seien aber mit der Architektur des Kuppelbaus kaum vereinbar. Dennoch sei er bemüht gewesen, Änderungswünsche in seinem neuen Entwurf zu berücksichtigen.

Entwurf ist noch nicht endgültig

Die Kuppel wird den Gebetsraum für rund 2000 Muslime demnach vollständig abdecken. Sie umschließt den Gebetsraum nun mit einzelnen Schalen, die im Inneren mit Glas voneinander abgetrennt sind und an der Außenfassade wie lang gezogene Kaugummi-Streifen herunter fließen. Passend zu der futuristisch anmutenden Lösung hat sich Böhm auch zwei Minarette ausgedacht, die rund statt eckig sind und sich ebenfalls wie eine Schale gen Himmel winden. Böhm sagte, auch dieser Entwurf sei noch nicht endgültig, sondern Grundlage für eine Weiterentwicklung.

Ralph Giordano reagierte auf Anfrage von stern.de empört auf die neue Lösung. "Ich habe mir das schon gedacht. Für mich ist das nur noch eine schauerliche Farce." Die "Ditib" als Bauherr und verlängerter deutscher Arm der türkischen Religionsbehörde "Diyanet" sei mit dieser Moschee einen "verräterischen Schritt" zu weit gegangen. "Ich betrachte diesen Bau nach wie vor als Kriegserklärung an die Integration." Er betont: "Nicht die Moschee, sondern der Islam ist das Problem."

"Islamismus ist ein totalitäres Regime"

Moscheen in anderen Bundesländern hätten doch längst gezeigt, dass sie nicht zu einer besseren Integration, sondern vielmehr zu einer "Abgeschlossenheit der Muslime" geführt hätten. Man habe es mit einem gravierenden Problem zu tun, "geschaffen von feigen Politikern, die dieses Problem verdrängt haben". Es werde immer wieder von einem Unterschied von Islamismus und Islam gesprochen.

"Wenn es diesen Unterschied wirklich gibt, wird es höchste Zeit, diesen auch kenntlich zu machen", erklärt der erzürnte 84-Jährige und bezeichnet den Islamismus schließlich als das dritte totalitäre Regime in den vergangenen 100 Jahren, gleich "nach dem hitlerschen und stalinistischen." Die Entscheidung, die Höhe der Minarette nicht zu reduzieren, zeige, "dass einige Leute noch immer nichts begriffen haben".

Ditib möchte konstruktiven Diskurs

Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma dagegen betrachtet das neue Modell als "gute Basis für eine Weiterentwicklung". Auch für ihn gehe es nicht allein um die Moschee. "Ich messe dem Dialog mit der Ditib eine wesentlich höhere Bedeutung bei", sagte das Stadtoberhaupt. Es gehe darum, eine Sprache zu finden, die beide Seiten öffentlich vertreten können. Die Stadt Köln ist sich der brisanten Gemengelage durchaus bewusst. "Natürlich wird die Ditib von anderen islamischen Verbänden beobachtet, wie sie sich in dieser Angelegenheit verhält", sagte ein Pressesprecher der Stadt zu stern.de. Genauso würden auch die Stadt und die Politik von den Bürgern beobachtet.

Die Ditib selbst reagiert inzwischen etwas genervt auf Chef-Kritiker Giordano. In der vergangenen Woche hatte die Religionsgemeinschaft den Publizisten zum Gespräch eingeladen. Der lehnte ab und konterte mit einer Einladung an alle jungen Muslime, die seine Meinung teilen. Der muslimische Verband kann die Kritik Giordanos nicht nachvollziehen. Schon jetzt leiste man sehr viel für die Integration, sagte Ditib-Pressereferent Thomas Müller. Er lässt eine Aufzählung folgen: Computer- und Alphabetisierungskurse, spezielle Seminare für Frauen, multi-kulturelle Aktionen, demnächst sogar ein gemeinsames Essen mit der Synagogengemeinde. "Wir werden den Diskurs auch in Zukunft führen, solange er konstruktiv verläuft. Weiter möchte ich dazu nichts sagen."


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