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Kreditaffäre des Bundespräsidenten Wulff - die Rücktrittsdebatte ist eröffnet


Seine Kreditaffäre wird für Bundespräsident Christian Wulff immer ungemütlicher. Die Unterstützung in den Medien schwindet - es gibt erste indirekte Aufforderungen zum Rückritt.
Von Carsten Heidböhmer

Bundespräsident Christian Wulff gerät in seiner Kreditaffäre zunehmend in die Kritik. Weil er im Sommer 2008 einen Privatkredit von 500.000 Euro angenommen hat, das Parlament aber nicht darüber informierte, gilt der Bundespräsident als beschädigt. Zumal es sich hier nicht um seine erste Affäre handelt.

Während sich Politiker aller Parteien bislang mit Rücktrittsforderungen zurückhalten, gibt es erste Stimmen, die Wulff scharf attackieren. "Dieser Schaden ist nicht mehr auszugleichen, den werden wir nicht vergessen. Das wird der Bundespräsident auch wissen, und dann wird das Amt schwer. Und darum denke ich, wird er an Konsequenzen denken", sagte die Politikerberaterin Gertrud Höhler im "RTL Nachtjournal".

"Jeder Tag, den er verstreichen lässt, ist ein Fehler"

Überraschend scharf hat sich auch "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher zum Fall Wulff geäußert: "Dass das deutsche Staatsoberhaupt in eine dubiose Kreditaffäre stürzt, während ein ganzer Kontinent erlebt, was die Abhängigkeit von Krediten und Ratings bedeutet, das ist einfach nur furchtbar. Dass Christian Wulff nicht verstanden hat, dass es ausschließlich darauf ankommt, wie er mit der Affäre umgeht, also: wie er redet, ist bizarr", schreibt Schirrmacher in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung, und fordert Wulff indirekt zum Amtsverzicht auf: "Das Staatsoberhaupt muss in der größten Kredit- und Finanzkrise der Jetztzeit in der Lage sein zu reden, ohne dass die Leute anfangen zu lachen."

Der Politikerberater Michael Spreng hält dagegen Rücktrittsforderungen für verfrüht. "Der Bundespräsident muss sich erst mal äußern", sagte er stern.de. Selbst die Opposition wolle dem Präsidenten zunächst einmal die Chance geben, sich zu erklären. Dass sich Wulff bislang nicht geäußert habe, hält Spreng für unglücklich: "Jeder Tag, den er verstreichen lässt, ist ein Fehler", so Spreng.

Auch "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner fordert den Bundespräsidenten auf, sich zu erklären. Oder wir er es in seiner markigen Sprache formuliert: "Lassen Sie die Hosen runter." Wie Spreng denkt Wagner jedoch nicht an einen Rücktritt. Er zeigt hingegen Verständnis für Wulff: "Im Schloss Bellevue wohnt ein Mensch."


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