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Landtagswahl in Bayern: Die Anti-Helden von der CSU

Der Bayer an sich schätzt gestandene Mannsbilder. Deshalb stieg etwa Franz Josef Strauß, ebenso sagen- wie skandalumwoben, dereinst zum respektierten Herrscher über CSU und Freistaat auf. Straußens Nachfolgern Günther Beckstein und Erwin Huber wird dieser Respekt verweigert.

Eine Betrachtung von Georg Wedemeyer

Bisher verliefen Wahlen in Bayern immer gleich: Irgendwelche anderen Parteien kläfften eine Weile die übermächtige CSU an, hoben aufgeregt das Bein am Thron der schwarzen Potentaten - und am Ende gab es wieder ein paar Prozente mehr für die Christsozialen. Doch diesmal drohen ihnen herbe Verluste. Grund: Es mangelt an Respekt vor dem Dauersieger.

Verlorene Geldbeutel im New Yorker Puff-Milieu, milliardenschwere Kredite für die Kommunisten, Franz Josef Strauß konnte sich so ziemlich alles leisten, aber er blieb immer Respektsperson bei Freund und Feind. Anti-Plakate von damals zeigen ihn als atombombenwerfenden Demokratenfresser, übergewichtigen Märchenkönig, galoppierendes Wildschwein - aber nicht als Schlappschwanz.

Dick und Doof

Edmund Stoiber, sein späterer Nachfolger, war für viele blondes Fallbeil, asexuelle Klarsichthülle und humorloser Streber - aber jeder hatte Respekt vor seinem immensen Fleiß.

Dagegen wird das jetzige Führungs-Duo der CSU selbst in den eigenen Reihen nicht ganz für voll genommen. "Zwei Kurze geben noch keinen Langen!" witzeln die Hinterbänkler und amüsieren sich köstlich, wenn sie noch ein "Verstehst scho?" hinterherschicken.

Erwin Huber, der CSU-Chef, und Günther Beckstein, der bayerische Ministerpräsident, drohen, zu Witzfiguren zu werden. "Geht mit Gott, aber geht" haben die Grünen auf ihre Wahlplakate geschrieben. Eines davon zeigt das CSU-Tandem als Stummfilm-Stars, wobei der grinsende Huber und der unsichere Beckstein dem Original so täuschend ähnlich sehen, dass Dick und Doof gar nicht dabeistehen muss.

Sommer, Sonne, CSU

Selbst linke Kabarettisten leiden unter dem schlechten Huber/Beckstein Image. Über Strauß und Stoiber-Witze hätten die Leute früher "druckvoller gelacht", berichtet der Liedermacher Hanns Well, "bei Beckstein und Huber schwingt immer eine Portion Mitleid mit." Sein Kollege Bruno Jonas meint trocken, manche seien eben "nicht tauglich fürs Kabarett, weil sie nur noch Mitleid erregen."

Nicht nur in der CSU-Zentrale wird gerätselt, wie es passieren konnte, dass ein gewohntes Sieger-Lächeln plötzlich nur noch als Doof-Grinsen wahrgenommen wird. Lag es am Wahlkampf? Ja, meint Sebastian von Rotenhan, rebellischer Landtagsabgeordneter der CSU. In einer internen Mail hat er jüngst über die zwei Plakate in seinem Dorf geschimpft. Auf dem einen stehe "Sommer, Sonne, Bayern, CSU". Rotenhan nannte es "Schwachsinn" und "unterste Schublade". Auf dem zweiten werbe die CSU für die Pendlerpauschale, "die wir vor kurzer Zeit erst abgeschafft haben".

Stoibers Schuhe

Aber wahrscheinlich hat der Respektverlust für die CSU schon bei Stoiber begonnen. Dass er 2005 nicht wie angekündigt als Minister nach Berlin ging, wird ihm heute noch als Feigheit ausgelegt. Eine Todsünde in Bayern, wo nichts schlimmer ist, als bei einer Rauferei zu kneifen. Und dann, als Huber und Beckstein den mittlerweile auch Pauli-geschädigten Stoiber endlich abgesägt hatten, erwiesen sich dessen Schuhe als zu groß für sie.

Huber ruinierte seinen Ruf binnen zwei Monaten mit dem Transrapid ("der wird gebaut") und den Verlusten bei der Bayerischen Landesbank ("habe nichts gewusst"). Beckstein scheiterte am Visionären: Außer der Aufzählung vergangener Erfolge fiel ihm in seinen Reden und Regierungserklärungen zur Zukunft Bayerns nichts Neues ein.

Der härteste Mann ist eine Frau

Übrig blieb der Eindruck vom biederen Polizeiminister, der einen Stuhl zu hoch aufgerückt ist und sich zur Oktoberfestzeit nun anbiedert mit Sprüchen bis zu welchem Grad der Besoffenheit man angeblich noch fahrtüchtig ist. Ob beim Alkohol oder beim Rauchverbot, angesichts der schlechten Umfragewerte hat in der CSU schon lange keiner mehr wirklich Mumm gezeigt.

Mit einer Ausnahme: Marga Beckstein, die Frau des Ministerpräsidenten, hat sich als Fränkin dem bayerischen Dirndl-Zwang auf dem Oktoberfest standhaft widersetzt. Auch nicht aus wahlkampftaktischen Gründen war sie zu einer anderen Garderobe zu bewegen. Ihr Günther hat dazu nur geschwiegen. Vielleicht sollten die beiden mal die Rollen tauschen, damit wieder Respekt einkehrt?