Lebenspartnerschaftsgesetz Adoption für Homosexuelle leichter machen


Ein aktueller Gesetzesentwurf der Bundesregierung soll homosexuellen Paaren die Adoption der Kinder des Partners ermöglichen. Die CDU kritisiert den Entwurf, der FDP geht er nicht weit genug.

Etwa 700.000 Kinder leben nach Einschätzung des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) in Familien mit homosexuellen Eltern. Die meisten stammen aus heterosexuellen Ehen, wachsen aber nach der Trennung ihrer leiblichen Eltern in der Lebenspartnerschaft des schwulen Vaters oder der lesbischen Mutter auf. Doch obwohl der neue, homosexuelle Lebenspartner das Kind gemeinsam mit dem leiblichen Elternteil aufzieht, kann er es nicht adoptieren. In heterosexuellen Ehen ist die Adoption von Kindern aus früheren Beziehungen dagegen kein Problem.

Neues Gesetz soll Adoption erleichtern

Mit der Novellierung des Lebenspartnerschaftsgesetzes will die rot-grüne Bundesregierung diese Ungleichheit beseitigen: Wer in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, soll mit dem Einverständnis beider leiblicher Eltern auch die Kinder seines Partners adoptieren können. Für diese Stiefkindadoption sollen die gleichen Regeln gelten wie bei Adoptionen in heterosexuellen Ehen: Nur wenn sie dem Wohl des Kindes dienen, stimmen Gerichte und Jugendämter zu.

Auch wenn eine Frau schwanger wird, während sie in einer homosexuellen Partnerschaft lebt, stünde ihrer Partnerin die Adoption des Kindes offen. "Das macht besonders dann Sinn, wenn ein Kind durch eine Samenspende gezeugt wurde", sagt Elke Jansen vom LSVD. Weil der leibliche Vater dabei meist unbekannt bleibt, müsste er der Adoption durch eine lesbische Lebenspartnerin nicht zustimmen. Die Stiefkindadoption würde so also nicht nur die Übernahme von Kindern aus vergangenen heterosexuellen Beziehungen ermöglichen, sondern auch die Gründung homosexueller Familien durch künstliche Befruchtung - zumindest in lesbischen Partnerschaften.

CDU: Schutz von Ehe und Familie wird verletzt

Für Bundesregierung und LSVD ist der Gesetzentwurf ein Schritt zum Abbau der rechtlichen Diskriminierung von Homosexuellen. Die CDU hingegen sieht den besonderen Schutz des Grundgesetzes für Ehe und Familie verletzt und kritisiert die Entmündigung des Kindes. "Jedes Kind hat den Anspruch auf Vater und Mutter", sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Röttgen. "Dieser Anspruch wird dem minderjährigen Kind bei einer Adoption durch den gleichgeschlechtlichen Lebenspartner genommen, ohne dass es selbst darüber entscheiden kann." Zweck des Adoptionsrechts sei, die Interessen der Kinder zu schützen - nicht die der Eltern.

Ob das Leben mit zwei Müttern oder Vätern dem Interesse des Kindes tatsächlich widerspricht, ist jedoch umstritten. "Es gibt keinerlei Hinweise auf eine benachteiligte Entwicklung von Kindern in homosexuellen Ehen", sagt Klaus Jetz vom LSVD. Manche Studien hätten sogar ergeben, dass Kinder aus "Regenbogen-Familien" besser für das Leben gewappnet seien als solche aus heterosexuellen Partnerschaften - sie lernen früh, mit Anfeindungen umzugehen. "Außerdem sind Kinder in gleichgeschlechtlichen Ehen längst Realität", argumentiert Jetz. "Sie können davor nicht einfach die Augen verschließen."

LSVD: "Familie ist da, wo Kinder sind"

Der aktuelle Gesetzentwurf von SPD und Grünen soll jedoch nur die Adoption von leiblichen Kindern eines Partners ermöglichen. Die vielen Kinder, die in Heimen auf eine neue Familie warten, zählen nicht dazu. Dabei könnten auch sie nach Ansicht des LSVD in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften ein Zuhause finden. "Familie ist da, wo Kinder sind", betont Jetz. "Homosexuelle Familien gehören dazu."

Das sieht auch die FDP so: Mit der Beschränkung auf die Adoption leiblicher Kinder bleibe die Regierung weit hinter der gesellschaftlichen Realität zurück, kritisieren die Liberalen. In ihrem eigenen Gesetzentwurf schlagen sie deshalb ein allgemeines Adoptionsrecht vor, dass auch für Kinder fremder Eltern die Adoption durch homosexuelle Paare erlaubt. "Allein das Kindeswohl soll Kriterium für eine Adoption sein", fordert der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Kauch, "nicht generell die sexuelle Orientierung der potenziellen Eltern".

Nils Weisensee /AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker