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Linke-Parteitag in Hessen: Ypsilantis neue Buddys

Hessens Linke bleiben auf Kurs: Die Wahl des Landesvorstandes ist ein Zeichen für rot-grün-rot in Hessen gesetzt. Doch auch auf dem überraschend harmonischen Parteitag gab es eine kleine Dissonanz.

Von Tiemo Rink, Lollar

Es dürfte ein etwas größerer Stein sein, der Ulrich Wilken am späten Samstag Nachmittag vom Herzen fällt. In einer Kampfkandidatur um den zweiten Platz im Parteivorsitz tritt der 50jährige Landtagsabgeordnete gegen Ferdinand Hareter an. 180 Delegierte beteiligen sich an der Wahl, für einen Sieg müssen also 91 Stimmen gewonnen werden. Wilken gelingt das Kunststück: Genau 91 Delegierte stimmen für ihn, eine klassische Punktlandung.

Ypsilantis Wunschkandidat

Die Schlange an Gratulanten ist anschließend umso länger. "Nicht die Fraktion oder der Landesvorstand entscheidet über unsere Politik, sondern die Gesamtpartei" hatte Wilken den Delegierten bei seiner Vorstellungsrede zugesichert. Nach der siegreichen Abstimmung entsteht nun schnell eine Menschentraube um den neuen Landesvorsitzenden. Wilken umarmt Parteigenossen, drückt Hände und klopft auf Schultern. Eine Gratulantin hingegen fehlt in diesem Moment: Andrea Ypsilanti.

Dass Ulrich Wilken überhaupt zur Wahl antreten darf, ist die erste große Überraschung des Parteitags. Schließlich lagen mehrere Anträge vor, die auf eine Trennung von Amt und Mandat abzielten. Hätte der Parteitag der Trennung von Amt und Mandat zugestimmt wäre Wilken chancenlos gewesen - als Landtagsabgeordneter hat er schon ein Mandat. Doch die Delegierten räumen sämtliche Anträge mit großen Mehrheiten aus dem Weg und stoßen die Tür zu einem linken Bündnis in Hessen ein weiteres Stück auf. Das dürfte auch Andrea Ypsilanti gefallen haben, die Wilken als gemäßigten Linken und Kontaktperson in der Fraktion schätzt.

Auf Verantwortungsbereitschaft gesetzt

"Hessen ist eine Erfolgsgeschichte der Linken" erklärte Wilkens Gegenkandidat Ferdinand Hareter. Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl betonte er, dass der Landesverband im nächsten Jahr alle Kräfte bündeln müsse. Das ließ sich durchaus als Seitenhieb auf Wilken verstehen, der wegen seiner Verpflichtungen als Abgeordneter nicht so viel Zeit in den Landesverband investieren kann. Doch die Zeichen stehen an diesem Wochenende in Lollar auf Verantwortungsbereitschaft - und Hareter verliert knapp.

"Der politische Gegner hofft, dass wir an Personaldebatten scheitern" ermahnt die bisherige Landesvorsitzende Ulrike Eifler die Delegierten. Diese Hoffnung wollte jedoch niemand erfüllen. Die Wiederwahl von Ulrike Eifler war so reine Formsache. Ohne Gegenkandidatin wurde die 33jährige Politologin mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Als Unterstützerin des Netzwerkes marx21 gehört Eifler zum linken Flügel der Partei.

"Pit Metz gewinnt"

Eine weitere Personalie hatte im Vorfeld für Aufregung gesorgt. Mit Pit Metz kandidierte ein Gewerkschafter und ehemaliges DKP-Mitglied für einen Platz im geschäftsführenden Landesvorstand. Wegen umstrittener Äußerungen zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan musste Metz im letzten Jahr nach nur zehn Tagen als Spitzenkandidat der hessischen Linken zurücktreten. Seine Rückkehr in die Politik bezeichnete der Grünen-Chef Tarek Al-Wazir vor wenigen Tagen als größtmögliches Hindernis auf dem Weg zu einem rot-grünen Bündnis unter linker Duldung in Hessen.

Doch in den späten Abendstunden ist es soweit: Um exakt 21.21 Uhr verkündet ein vom langen Tag sichtlich erschöpfter Präsidiumssprecher das Ergebnis. Pit Metz gewinnt mit deutlichem Vorsprung. Zwar betonte der bekennende Kommunist in seiner Vorstellungsrede, er wünsche sich die DDR nicht zurück. Dennoch ist sein Wahlsieg ein kleiner dissonanter Ton auf dem bisher überraschend harmonisch verlaufenen Parteitag. Tarek Al-Wazir wird es überleben. Auch, weil mehr Dissonanzen an diesem Wochenende nicht drohen.