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Linkspartei: Lafontaine wirbt um Rechte

Oskar Lafontaine ist zum Spitzenkandidaten der Linkspartei in NRW gewählt worden. Der ehemalige SPD-Chef bekannte sich offen dazu, auch im rechten Spektrum um Stimmen werben zu wollen.

Oskar Lafontaine wurde bei einer Mitgliederversammlung der Linkspartei in Essen mit 193 Stimmen zum Spitzenkandidaten des Bündnisses aus PDS und WASG in Nordrhein-Westfalen gewählt. Er setzte sich dabei gegen seinen Gegenkandidaten Axel Gonder durch, auf den 26 Stimmen entfielen.

Lafontaine sagte am Rande der Abstimmung, bei den Wählern rechtsradikaler Parteien in Ostdeutschland handele es um verzweifelte Menschen, die aus Wut nicht gewusst hätten, wem sie ihre Stimme geben sollten. Auch diesen Menschen müsse die neue Linksparte ein Angebot machen. Rechte Politiker müssten angegriffen und gestellt werden. Ihre Wähler dürften aber „nicht gleich in diese Ecke gestellt“ werden, mahnte er. Der ehemalige SPD-Chef wies zugleich erneut den Vorwurf zurück, mit dem Begriff "Fremdarbeiter" rechtsextremistisches Vokabular verwendet zu haben. "Das Wort bedauere ich nicht", betonte er. "Lohndrücker sind die Kapitalisten und nicht diese Menschen", sagte Lafontaine. Bei dem Treffen in Essen hatte es anfangs Proteste gegen die "Fremdarbeiter"-Äußerung gegeben. Am Ende seiner Rede wurde Lafontaine indes mit teils stehendem Applaus gefeiert.

Große Mehrheit für Umbenennung

Vor der Wahl der offenen Landesliste hatten sich die PDS-Mitglieder mit großer Mehrheit für eine Umbenennung des Landesverbands in "Die Linkspartei. Landesverband Nordrhein-Westfalen" ausgesprochen. Mit der Linkspartei müsse der "linke Kannibalismus" zwischen PDS und WASG beendet werden, mahnte die stellvertretende Bundesvorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping. Sie sprach sich zudem entschieden gegen ein nach der Bundestagswahl eventuell rechnerisch mögliches Bündnis mit der SPD aus.

Lafontaine kritisierte die Reformen der Bundesregierung erneut scharf und betonte, die Linkspartei wolle gegen "Chaos an den internationalen Finanzmärkten" und den "Wettbewerb um niedrige Löhne und Steuern" in der Europäischen Union vorgehen. Sie sei die einzige Partei, die ein seriöses Steuerkonzept für mehr soziale Gerechtigkeit vorlege, weil sie die einzige sei, die die Reichen besteuern wolle. Er kämpfe für eine andere gesellschaftliche Ordnung, bekannte Lafontaine.

In insgesamt acht Ländern entschieden Versammlungen am Wochenende über offene Listen der PDS für die Bundestagswahl. Lafontaine war in Nordrhein-Westfalen bereits von der WASG als Spitzenkandidat vorgeschlagen worden.

DPA/AP / AP / DPA