Medikamentenpreise Scheininnovationen bleiben billig


Dürfen neue Arzneien teuerer sein, auch wenn sie nicht besser sind als die Alten? Die Bundesregierung sagt nein - sehr zur Freude der Krankenkassen, die dadurch viel Geld sparen.

Die Krankenkassen begrüßen, dass die Regierung an den neuen Preisregeln für bestimmte Arzneien festhalten will. Die so genannte Festbetragsregelung für patentgeschützte Medikamente sei rechtssicher, marktnah und besser als staatliche Preiskontrollen, erklärte die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen am Dienstag.

Die Regierung hatte sich nach einem Gespräch von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Pharmamanagern am Montag zu den Festbeträgen bekannt, die seit Jahresbeginn auch für "Scheininnovationen" gelten. Dies sind geschützte Arzneien, die gegenüber älteren keinen Zusatznutzen bringen. Die Festbeträge wirken als Preisobergrenze für die Erstattung durch die Krankenkassen.

Damit würden 2005 rund 390 Millionen Euro gespart, ab 2007 jährlich eine Milliarde, so die Krankenkassen. Derzeit gelten Festbeträge nach ihren Angaben für rund 60 Prozent aller Arzneien, die zu Lasten der Krankenkassen verordnet werden. Mit der Gesundheitsreform sei in Aussicht genommen, den Anteil auf 70 bis 80 Prozent auszuweiten. "Wirklich innovative Arzneimittel" würden hingegen weiter zum vollen Marktpreis erstattet.

Hintergrund des Treffens zwischen der Pharmaindustrie und der Regierung, ist der Versuch der Medikamentenhersteller, eine seit Jahresanfang geltende Regelung der Gesundheitsreform zu unterlaufen. Die Kassen wollen für patentgeschützte Medikamente, die neuer und teurer, aber nicht nachweisbar besser (so genannte Scheininnovationen) sind, nur noch Festpreise zahlen - und damit deutlich weniger, als von den Herstellern verlangt. Diese befürchten nun Umsatzeinbußen und Abstriche bei der Forschung. Die Pharmafirmen Pfizer und Altana haben Klagen eingereicht.

AP AP

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