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Micky-Maus-Magazin parodiert Staatsoberhaupt: Präsident Wuff und Kai Quiekmann

Dass sich das Satireblatt "Titanic" über Christian Wulffs Hauskreditaffäre hermachen würde, damit war zu rechnen. Nun aber kommt es ganz dick: Ausgerechnet das piefbiedere "Micky Maus"-Magazin verhöhnt das AB-Gate des Bundespräsidenten.

Von Christian Cohrs

Vorabmeldungen sind im Journalismus an sich nichts Ungewöhnliches. Wer eine gute Story hat, posaunt das gern so zeitig heraus, dass andere Medien die Meldung aufnehmen. Seltenheitswert dürfte es jedoch haben, dass ein Comic-Heft auf einer so heißen News sitzt, dass die Redakteure die Kollegen vor Erscheinen ihres Hefts darüber informieren wollen.

Jetzt kam jedoch eine Mail vom Ehapa-Verlag, dem Herausgeber des "Micky Maus"-Magazins. Im kommenden Heft 7/12, vermeldet die Pressemitteilung, werde es unter der launigen Zeile "Macht nicht ‚Platz!', sondern ‚Sitz!'" heißen: "Hundepräsident Wuff" gerat unter Druck. Der Grund: "Er habe Berichte über die Finanzierung seiner Privathütte mit persönlichen Anrufen bei Führungspersonen der 'Micky Maus' und Kai Quiekmann, Chefredakteur des Enten-Kurier, verhindern wollen."

Zähne zeigen statt Zerknirschung

Wuff habe eine Nachricht auf den Redaktions-AB "gebellt" und stehe wegen eines Privatkredits in der Kritik, mit dem ihm ein "Pudelpaar" beigesprungen war. Und weiter: "Außerdem soll er gratis Urlaub in luxuriösen Tierpensionen befreundeter Terrier gemacht haben." Daneben eine Zeichung im betulichen Disney-Stil. Sie zeigt einen telefonierenden Boxer und seine leicht erstaunt blickende Vorzimmerhündin.

Gut, ein harmloser Scherz mit drolligen Wortspielereien, könnte man nun sagen. Geradezu niedlich gegen das, was die "Titanic" mit Politikern so alles anstellt. Etwa wenn sie Helmut Kohl mit aufgemaltem Saddam-Hussein-Bart auf den Titel druckte und mit Giftgas im Mai 1991 endlich für "Ruhe in der Zone" sorgen ließ.

Dabei trifft genau das Gegenteil zu: Denn Attacken des Frankfurter Satire-Sturmgeschützes sind meist so derb und drüber, dass es den Betroffenen - bei allerpersönlichen Kränkung - leicht fallen dürfte, sich darüber zu stellen (auch wenn das Kohl seinerzeit eher nicht gelang).

Wie soll der Nachwuchs noch Respekt haben?

Was aber, wenn man sich auf einmal in einem als brav bekannten Heft für Kinder verhöhnt sieht, einem drollig-bunten Magazin, das wöchentlich immerhin von 700.000 jungen Mitbürgern gelesen wird. Wie soll der Nachwuchs noch Respekt vor dem Staatsoberhaupt - selbst ein junger Vater - haben, wenn es in einer Postille für Kinder als jemand persifliert wird, der sich bei Pudeln Geld borgt und in Hundepensionen Urlaub macht?

Womöglich sind die Ähnlichkeiten zwischen Wulff und Wuff jedoch auch nur ein Zufall, denn in einem unterscheiden sich die beiden gewaltig. Während der Bundespräsident in seinem Rechtfertigungsinterview versuchte, sich als Medien-Opfer darzustellen, schlägt sich der Hundepräsident nach "Micky Maus"-Informationen deutlich souveräner: Wuff, heißt es dort, zeige nicht Zerknirschung, "sondern Zähne".

Christian Cohrs / FTD
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