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Neonazis in Johanngeorgenstadt Die Terrorhelfer aus dem Erzgebirge


Im sächsischen Erzgebirge agiert offenkundig eine rechtsradikale Szene, die dem Zwickauer Terrortrio geholfen hat. Über das Netzwerk von Johanngeorgenstadt.
Von Manuela Pfohl

Schon in einer ihrer ersten öffentlichen Erklärungen zum Zwickauer Terrortrio haben die Ermittler den Namen Mandy S. erwähnt. Beate Zschäpe soll ihn im Wechsel mit dem Namen Susann D. während ihrer Zeit im Untergrund benutzt haben. Ein Fantasiename?

Keineswegs. Denn nach stern.de-Informationen gibt es Mandy S. wirklich. Die Frau lebt im sächsischen Schwarzenberg, soll eine gewisse Ähnlichkeit mit Beate Zschäpe haben, ist Friseurin und hat zu einer rechten Clique in Johanngeorgenstadt gehört. Die knapp 5000 Einwohner zählende Stadt im Erzgebirge verfügt offensichtlich über ein stabiles rechtes Netzwerk, von dem das Zwickauer Terrortrio profitierte. "Brigade Ost" soll sich die Gruppierung genannt haben.

Der naive Mieter

Von dort kommt auch Matthias D., der Mieter zweier Wohnungen war, in denen das Zwickauer Terrortrio untergetaucht war. Die zweite wurde am 4. November offenbar von Zschäpe in die Luft gesprengt. Laut seinem Anwalt hat D. allerdings aus reiner Naivität die Wohnungen an die Leute von der NSU untervermietet. D. wird derzeit auch nur als Zeuge geführt. Zschäpe gab sich in der kleinen Stadt an der tschechischen Grenze allerdings den Alias-Namen Susann D. und trat so auch in Zwickau als Mieterin auf.

Die braunen Zwillinge

Ebenfalls aus Johanngeorgenstadt kommen die Zwillinge André und Maik E. Auch sie sind dort Teil der rechten Szene. Maik E., der inzwischen in Potsdam agiert, taucht im brandenburgischen Verfassungsschutzbericht 2010 sogar als "Stützpunkt"-Vertreter der NPD-Jugendorganisation auf.

Nach stern.de -Informationen sind André E. und seine Frau Susann bereits von der Polizei befragt worden: Es besteht der Verdacht, dass sie an der Herstellung des Paulchen Panther-Videos beteiligt waren, in dem sich das Terrortrio zu den so genannten Döner-Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer sowie zu dem Mord an der Heilbronner Polizistin Michéle Kiesewetter bekennt.

Sehr spezielle Jugendarbeit

Dass sich in Johanngeorgenstadt seit Jahren eine rechte Szene etabliert hat, ist den Behörden bekannt. Laut der sächsischen Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz könnte sich die Szene aus einem Jugendclub entwickelt haben, in dem ein Sozialarbeiter wohl "sehr akzeptierende Jugendarbeit" leistete. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht taucht der Ort allerdings nicht auf.

Doch warum schrillten nach der ersten Presseerklärung, in der die Namen Mandy S. und Susann D. fielen, beim sächsischen Verfassungsschutz nicht die Alarmglocken? Warum hat bislang kein Ermittler der Friseurin Mandy S. einen Besuch zur "Klärung eines Sachverhaltes" abgestattet? Der Verfassungschutz selbst ist telefonisch nicht erreichbar und ein Sprecher des sächsischen Innenministeriums will keine Auskunft geben. Die Linke Köditz wirft dem sächischen Verfassungsschutz vor, geschlafen zu haben. Angesichts einer Szene, die mit V-Leuten nur so durchsetzt scheint, mutet das Vorgehen im Fall Johanngeorgenstadt in der Tat nachlässig an.


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