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Zwickauer Zelle Der Vermieter des Terrortrios


Die Terroristen aus Zwickau hatten Unterstützer. Matthias D. soll einer von ihnen gewesen sein. Er hat dem Trio Wohnungen untervermietet - aus Naivität, wie sein Anwalt stern.de sagte.
Von Malte Arnsperger

Das rechte Terrortrio aus Zwickau gibt viele Rätsel auf. Bislang sind zwei Namen als Helfer und Kontaktpersonen der drei aufgetaucht - der festgenommene Holger G. und Matthias D. Er war der Mieter der beiden Wohnungen in Zwickau, in der die drei hausten. Jetzt äußert sich der Anwalt von Matthias D. zum ersten Mal zu dem Fall. "Mein Mandant hat mit den Taten der Gruppe nichts zu tun. Er hat ihnen lediglich aus Hilfsbereitschaft und Naivität Wohnungen untervermietet", sagte Jörg Klaus Baumgart stern.de.

Die Wohnungen war immer auf den Namen von Matthias D. gemietet worden. Zudem hatte sich Beate Zschäpe, das festgenommene Mitglied der Bande, stets mit demselben Nachnamen als Susann D. ausgegeben. Matthias D. wurde deswegen auch schon von der Polizei vernommen, bestätigte Baumgart.

An "Max" und "Gerry" Wohnung vermietet

Der Anwalt des Mannes aus aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt schilderte stern.de nun, wie es in den vergangenen Jahren zu dem Kontakt zu dem Nazitrio gekommen sein soll. Danach ist er 2003 von einem Freund angesprochen worden. Es gebe da zwei Personen, die Schulden hätten und deshalb keine Wohnung mieten könnten. "Mein Mandat wurde dann gebeten, eine Wohnung in Zwickau in der Polenzstraße zu mieten und an die beiden Personen unterzuvermieten." Matthias D. sei auf die Bitte eingegangen. Er habe einen Mietvertrag unterschrieben und von den Männern lediglich verlangt, hin und wieder in der Wohnung übernachten zu dürfen.

"Mein Mandant kannte die beiden Männer aber vorher nicht und hat bis zu ihrem Tod nie ihre wirklichen Namen erfahren." Erst bei einer Vernehmung durch die Polizei am 6. November, also vorverganene Woche, habe Matthias D. erfahren, dass es sich bei den beiden Männer um Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos handelte, die sich vor knapp zwei Wochen in Eisenach selber getötet haben. Sie hätten sich ihm gegenüber immer als Max (Böhnhardt) und Gerry (Mundlos) vorgestellt. Für den Untermietvertrag mit Matthias D. hätten sie einen – offensichtlich gefälschten – Ausweis vorgelegt, der auf den Namen Max B. ausgestellt war.

Beate Zschäpe als "Lissi" kennengelernt

In den Jahren danach sei Matthias D. nur sporadisch in der Wohnung in der Polenzstraße gewesen und habe lediglich "Vorteile im Rahmen der Betriebskostenabrechung" gehabt, wie sich sein Anwalt ausdrückt. Allerdings sei die Miete von den Untermietern pünktlich bezahlt worden. Bei seinen Besuchen habe Matthias D. auch Beate Zschäpe kennengelernt, unter dem Namen "Lissi". Eine ehemalige Nachbarin aus der Polenzstraße hatte stern.de gesagt, dass die Frau den Spitznamen "Lisa" getragen hatte.

Im Jahr 2007 seien die Männer dann wieder auf Matthias D. zugekommen, sagt sein Anwalt. "Sie haben ihm gesagt: Wir wollen umziehen, das soziale Umfeld gefällt uns nicht." Daraufhin hätten die Männer die Wohnung in der Frühlingsstraße in Zwickau angemietet, die dann vor knapp zwei Wochen explodiert ist. "Sie haben meinem Mandanten gesagt, sie würden sich um alles kümmern." Bei der Unterzeichnung des Mietvertrages sei Matthias D. deshalb auch gar nicht anwesend gewesen, obwohl er als Mieter eingetragen wurde. Das deckt sich mit den Aussagen des damaligen Verwalters. Der hatte stern.de gesagt, er sei sich "zu 100 Prozent" sicher, dass er stets mit Uwe Böhnhardt zu tun hatte, der sich als Matthias D. ausgegeben habe. Der Mann habe im September 2007 eine Mietschuldfreiheitsbescheinigung, ein Gehaltsnachweis und eine Selbstauskunft vorgelegt, alle ausgestellt auf Matthias. D.

"Er hat naiv gehandelt"

"Es kann gut sein, dass mein Mandant den Männern auch einen Gehaltsnachweis zur Verfügung gestellt hat. Er hat naiv gehandelt", sagt Anwalt Baumgart. D. habe dann einen Untermietvertrag für die Wohnung in der Frühlingsstraße mit den beiden Männer geschlossen, als Untermieter sei wieder Max B. angegeben worden. Von den verbrecherischen Aktivitäten des Trios habe sein Mandant nichts mitbekommen.

Am Tag nach der Explosion der Wohnung in Zwickau ist Matthias D. dann laut Anwalt zur Polizei gegangen und sagt am Tag darauf umfassend aus. "Er wusste da noch nichts von den zwei Toten. Er wollte nur wissen, ob er jetzt Schadensersatz leisten muss, da seine Wohnung ja explodiert ist." Jetzt habe sein Mandant "natürlich Angst, weil sein Name überall in den Verträgen stand. Aber er hatte nie etwas mit der rechten Szene zu tun. Und wenn er gewusst hat, was die machen, hätte er ihnen nie die Wohnungen untervermietet."

Einstweilen geht er weiter seiner Arbeit nach. Laut seinem Anwalt gilt D. nur als Zeuge.


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