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Weitere Bekennervideos der Zwickauer Zelle Neonazi-Trio wollte "Taten für sich sprechen" lassen


Die rechtsextreme Zwickauer Zelle hat nach neuen Erkenntnissen von Anfang an geplant, Morde in Serie zu verüben. Dies geht aus jetzt rekonstruierten weiteren Bekennervideos hervor. Darin findet sich auch eine Erklärung, warum es keine Bekennerschreiben gibt.

Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) haben nach Informationen der "Bild"-Zeitung auf der Festplatte eines Computers der rechtsextremen Zwickauer Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zwei weitere Bekenner-Videos entdeckt. Spezialisten des BKA ist es gelungen, den Inhalt der Festplatte zu rekonstruieren, obwohl der Computer bei dem Brand im Haus des Nazitrios Anfang November erheblich beschädigt worden war.

Die Ermittler stufen die Filme als "Vorläufer" des bereits bekannten, zynischen "Paulchen-Panther"-Terror-Videos ein, das aus dem Jahr 2007 stammt. Nach Informationen des Blattes aus Sicherheitskreisen taucht in einem der beiden Videos der Spruch "Unsere Taten sprechen für sich" auf. Nach Meinung der Ermittler belegen die offenbar auf "technisch hohem Niveau" gemachten Videos, dass die Zwickauer Neonazis ihre Taten von Anfang an als terroristische Mordserie geplant haben.

Haftbefehl gegen Matthias D. in Kraft

Unterdessen hat ein Haftrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe Untersuchungshaft für einen mutmaßlichen Unterstützer des Terrortrios angeordnet. Der am Donnerstag gegen Matthias D. erlassene Haftbefehl sei dem Beschuldigten "eröffnet und in Vollzug gesetzt" worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Der 36-Jährige war am Sonntag in Sachsen festgenommen worden.

Matthias D. ist der Bundesanwaltschaft zufolge dringend verdächtig, der neonazistischen Terrorzelle in den Jahren 2001 und 2008 zwei Wohnungen in Zwickau überlassen zu haben. Er soll sie unterstützt haben, ein Leben unter falscher Identität führen und unentdeckt Terroranschläge verüben zu können. D. soll die dem Trio zur Last gelegten Taten "zumindest billigend in Kauf genommen haben".

Lieberknecht: Großes Ausmaß rechtsextremer Umtriebe

Damit wurden insgesamt bislang vier mutmaßliche Helfer der Zelle festgenommen. Das zuletzt in Zwickau lebende Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard wird mit neun Morden an Migranten, einem Mord an einer Polizistin sowie zwei Sprengstoffanschlägen in Köln in Verbindung gebracht. Mundlos und Böhnhard nahmen sich nach derzeitigem Ermittlungsstand Anfang November das Leben, Zschäpe stellte sich daraufhin.

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) rechnet damit, dass die Ermittlungen zu den Neonazi-Terroristen ein großes Ausmaß an rechtsextremen Umtrieben in Deutschland zutage fördern. "Es kommen jeden Tag neue Erkenntnisse zum Vorschein und das Ganze muss natürlich in ein Gesamtbild auch aufgenommen werden", sagte sie am Montag in Berlin. Es handele sich um ein großes Netzwerk, das über viele Jahre gewirkt habe. "Deswegen wird es immer wieder noch Nachrichten geben, die zu diesem Gesamtbild zusammengeführt werden."

dho/AFP/DPA DPA

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