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Umfrage der Forschunsgruppe Wahlen: ZDF liegt mit Olympia-Prognose voll daneben - wie es dazu kam

56 Prozent für Olympia? Das ZDF lag bei der 18-Uhr-Prognose komplett falsch. Nun räumt die Forschungsgruppe Wahlen Fehler ein: Ihre Befragung sei ein "missglücktes Experiment" gewesen.

Die Olympia-Planer machten am Sonntagabend lange Gesichter: Auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz wirkte bedrückt. „Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber klar", sagte er.

Die Olympia-Planer machten am Sonntagabend lange Gesichter: Auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz wirkte bedrückt. „Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber klar", sagte er.

DPA

Die Entscheidung ist gefallen: Die Olympischen Sommerspiele 2024 finden definitiv nicht in Hamburg statt. Im Referendum hat die Mehrheit der Hamburger gegen die Olympia-Pläne der Stadt gestimmt. 51, 6 Prozent aller gültigen Stimmen entfielen auf ein Nein, 48,4 Prozent der Hamburger stimmten mit Ja. Um 18 Uhr am Sonntagabend kündigte das ZDF allerdings noch einen ganz anderen Ausgang der Abstimmung an.

Laut einer Telefonumfrage der Forschungsgruppe Wahlen, die der Sender in Auftrag gegeben hatte, hätten 56 Prozent der Hamburger für die Olympischen Spiele in Hamburg gestimmt, vermeldete das ZDF als Prognose für die Wahl. 44 Prozent würden sich dagegen entscheiden. Ein Fehlurteil. Der Grundtrend stimmte nicht und die Abweichung betrug letzlich fast acht Prozent. 

"Unser Trend war falsch, da gibt es nichts zu beschönigen"

Wie konnte es zu dieser falschen Prognose kommen? Im Rahmen der Umfrage waren 3.800 zufällig ausgewählte Abstimmungsberechtigte befragt worden. Die Umfrage galt in dieser Größenordnung für die 1,3 Millionen stimmberechtigten Hamburger als repräsentativ. Trotzdem lagen die Wahlforscher kräftig daneben.

Matthias Jung, Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, zeigt sich selbstkritisch und spricht von einem "missglückten methodischen Experiment“, das die Forschungsgruppe auf keinen Fall wiederholen wolle. "Da bei dem Referendum hauptsächlich per Briefwahl abgestimmt wurde, konnten wir uns nicht einfach vor die Wahllokale stellen und Bürger direkt befragen wie wir das sonst bei Prognosen machen", sagt Jung auf Nachfrage von stern.de. Zwischen 11 und 17 Uhr sei die Telefonbefragung am Sonntag durchgeführt worden. Die Abstimmungsberechtigten seien gefragt worden, ob sie schon am Referendum teilgenommen hätten oder noch vorhätten, dies zu tun. Wer dies bejahen konnte, deren Meinung ging in die Auswertung ein.
„Es war uns klar, dass diese Befragung nicht den Wert einer Prognose haben könnte, sondern nur ein Trend wäre“, so Jung. "Aber selbst mit diesem Trend lagen wir falsch, da gibt es nichts zu beschönigen.“

Zustimmung doch größer als gedacht?

Auch wenn die Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen am Ende nichts über das Ergebnis des Referendums aussagt, so könnte sie doch ein Stimmungsbild abgeben. Während die Olympia-Planer das schlechte Ergebnis auf äußere Faktoren wie die Flüchtlingskrise, die Terroranschläge von Paris oder die jüngsten Sportskandale um Fifa und DFB zurückführen, weist die Telefonumfrage auf eines hin: Möglicherweise war die Zustimmung für Hamburgs Olympia-Visionen in der Bevölkerung durchaus größer als gedacht - doch am Ende waren es vor allem die Gegner, die sich aktiv an der Wahl beteiligt haben.

Annika Lasarzik