HOME

Orden "Wider den tierischen Ernst": Drei Mal gefälschter Guttenberg

Das ist das Phänomen Guttenberg: Hauptperson Karl-Theodor enttäuschte die Aachener durch seine Absage beim Orden wider den tierischen Ernst. Dass sie ihm dennoch nichts nachtragen, hat der Minister auch seinem kleinen Bruder zu verdanken.

Die Lage ist ernst für Karl-Theodor zu Guttenberg. Ob da ein Orden wider den tierischen Ernst helfen kann? Der Aachener Karnevalsverein (AKV) zeichnete ihn jedenfalls am Samstag damit aus. Doch der "Überflieger mit Bodenhaftung" - wie der AKV seinen Ritter nennt - schickte seinen jüngeren Bruder Philipp als Ersatzmann in die Bütt.

Die Affäre um die Doktorarbeit des Bundesverteidigungsministers schlug Wellen hinein bis in eine kleine Formalie, normalerweise nicht beachtet: Auf der Ritterurkunde stand schon nicht mehr der Doktortitel. Für neue Eintrittskarten war es schon zu spät, da war er noch drauf, der "Doktor" Karl-Theodor zu Guttenberg.

Die Aachener standen ohne Ritter da, bekamen aber trotzdem ihren zu Guttenberg und das gleich dreifach: Den "Phantom-Ritter" Karl-Theodor, der immer irgendwie präsent war und dem Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ein Ständchen mit schräger Jodeleinlage schmetterte: "Karl-Theodor ist nicht hier, aber wir singen alle für ihn."

Dann gab es den "KT" aus Pappe, ein Abbild aus unbeschwerten Tagen: "KT" als sympathischer Strahlemann, lässig die ACDC-Gitarre auf den Hüften. Und schließlich das "Plagiat", den kleinen Bruder Philipp, der die ganze Suppe mit einer Prise Ironie würzte, um sie dann überraschend genüsslich auszulöffeln. Drei Mal zu Guttenberg, Hauptsache Guttenberg, konnte man meinen. Der Minister hatte die Karnevalisten enttäuscht, das Publikum versetzt und es liebte ihn trotzdem.

So ist er, der große Bruder, machte zu Guttenbergs Bruder Philipp in seiner Ritter-Ersatz-Rede deutlich: "Besteht Gefahr, nicht so zu glänzen, wie er es doch gewöhnlich kann, tendiert er wortreich schnell zum Schwänzen..." Für den Bundesverteidigungsminister kam die Ordensverleihung zur Unzeit: Weil er bei seiner Doktorarbeit abgekupfert haben soll, steht er massiv unter Druck und lässt seinen Titel ruhen.

Dazu kommt der deutsche Einsatz in Afghanistan. Der Minister hatte seine Absage ja mit der Lage in Afghanistan begründet zu einer Zeit, wo man es ihm nicht abkaufte. Das war unter dem größten Druck der Bundeswehr-Affäre. Der Tod der drei Bundeswehrsoldaten in Afghanistan bei einem Angriff am Freitag erscheint nachträglich wie eine traurige Bestätigung.

Der Bruder musste ihm aus der Patsche helfen - er, "das Plagiat". Mit feiner Ironie plauderte er über "Deutschlands beliebtesten Hochglanzpolitiker": Mit gegeltem Haar in allen Lebenslagen und der Bügelfalte im Tarnanzug aber "ein netter Kerl und stinknormal." Die ARD strahlt die Sitzung an diesem Montag 20.15 Uhr aus.

Elke Silberer, DPA / DPA
Themen in diesem Artikel