HOME

Ex-Verteidiger und Grünen-Politiker: Ströbele über RAF-Verurteilungen: "Ich weiß, wer es wirklich war"

Als Anwalt hat der spätere Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele RAF-Mitglieder verteidigt. Es gebe noch einige Geheimnisse rund um die Terrorgruppe, sagt er. Ob diese auch geheim bleiben? "Das überlege ich noch."

Hans-Christian Ströbele spricht in einem Interview über die RAF

"Ich habe den Plan, noch etwas zu schreiben - vor allem zur RAF-Zeit", so Hans-Christian Ströbele in einem Interview (Archivbild)

DPA

Der einstige Strafverteidiger von Mitgliedern der terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF), Hans-Christian Ströbele, weiß nach eigenen Worten von vermeintlichen Terroristen, die zu Unrecht verurteilt wurden.  "Das Problem ist, dass ich vieles als Anwalt erfahren habe. Und die anwaltliche Schweigepflicht gilt weiterhin. Ich weiß zum Beispiel von Fällen, in denen Angeklagte zu Unrecht verurteilt worden sind - weil ich weiß, wer es wirklich war. Aber ich darf es nicht sagen", betonte der spätere Grünen-Politiker im Gespräch mit der "Berliner Zeitung"

Auf die Frage, wie groß die Geheimnisse seien, die er aus der RAF-Zeit mit sich herumtrage, erwiderte Ströbele: "Da gibt es schon einige." Die Frage, ob er sie mit ins Grab nehme, beantwortete der 78-Jährige mit den Worten: "Das überlege ich noch."

"Ich empfinde das nicht als Fehler"

Das Interview kreiste insgesamt um das Altern. "Einiges hätte ich wohl anders gemacht", räumt Ströbele ein. "Aber wenn ich gefragt werde, ob ich die RAF-Mandate nochmal übernommen hätte, sage ich: Ja, natürlich." Als der einstige Strafverteidiger von Mitgliedern der Terrorgruppe habe er nicht genügend Distanz zu der RAF gehabt. "Aber ich empfinde das nicht als Fehler", so Ströbele weiter. "Sie müssen bedenken: Das Verhältnis, das man zu den Genossen in der APO hatte, war viel intensiver als zu Parteifreunden. Wir waren gemeinsam gegen den Rest der Welt auf den Demos oder Teach-ins." Die RAF-Anführer Ulrike Meinhof und Andreas Baader hätten diskutiert und auf der Straße demonstriert - "so wie ich". 

Hans-Christian Ströbele: RAF-Geheimnisse

Die Rechtsanwälte Hans-Christian Ströbele (l.) und Otto Schily (r.) während eines Prozesses mit ihrem Mandanten Horst Mahler (M.) in Berlin-Moabit (Archivbild vom Oktober 1972)

DPA

Doch die großen Geheimnisse bleiben vielleicht nicht für immer Geheim. Auf die Frage, welche Pläne Ströbele noch habe, antwortete der Ex-Politiker: "Ich habe den Plan, noch etwas zu schreiben - vor allem zur RAF-Zeit. Das ist ein großes Vorhaben."

Die RAF gegen das "imperialistische System"

Die RAF kämpfte mehr als 20 Jahre gegen das angeblich "imperialistische System" der Bundesrepublik. Von 1971 bis 1993 töteten die Terroristen 34 Menschen, darunter Vertreter aus Wirtschaft und Politik wie Generalbundesanwalt Siegfried Buback oder Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer.

Unter den RAF-Anführern Ulrike Meinhof und Andreas Baader richtete sich der Terror vor allem gegen US-Einrichtungen. Danach versuchte eine zweite RAF-Generation, die 1972 gefassten Vorgänger freizupressen. Zu den Opfern der dritten Generation zählten der Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen und der Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder. Bis heute sind ihre Mörder nicht bekannt.

Fahndungsvideo: Polizei sucht nach untergetauchten Ex-RAF-Terroristen
fs/Mit Material der DPA