Sahara-Geiseln Endlich daheim: "Wir konnten es nicht glauben"


Immer wieder hatten sich die Urlauber in der Wüste Termine für ihre Befreiung gesetzt, immer wieder wurde nichts daraus. Als es dann endlich hieß, sie würden frei gelassen, zweifelten die Geiseln.

Erna Schuster (62) stehen die Tränen in den Augen. Ganz leise spricht sie von dem Glück, wieder zu Hause bei der Familie zu sein. "Wir konnten es gar nicht glauben, dass wir frei kommen sollen", ergänzt ihr Ehemann Kurt (64). Seine Angehörigen hatten ihn beim Verlassen des Flugzeugs in Augsburg mit "Kurti-Kurti"-Rufen empfangen. Immer wieder hätten sich die Urlauber in der Wüste Termine für ihre Befreiung gesetzt, erzählt Schuster. "Zuerst hofften wir auf Ostern, dann auf den Kommunionstermin unseres Enkels, dass wir frei kommen, aber es war nichts." Deshalb hätten sie auch gezweifelt, als ihnen vor zwei Tagen eröffnet wurde, dass sie tatsächlich frei gelassen werden sollen.

Erstmal alles verarbeiten

"Doch wir haben nie verzweifelt", sagt Schuster, der mit einem mächtigen, silbernen Vollbart nach Hause zurückkehrte. Dennoch vermittelt er wie auch seine Frau und Witek Mitko körperlich einen guten Eindruck. Nur erschöpft und müde seien sie. "Wir müssen die vergangenen sechs Monate selber erst einmal verarbeiten", weist Schuster Fragen ab und bittet vor einem Großaufgebot der Presse: "Bitte verschont uns jetzt."

Keine Gewalt-Märsche

"Die Entführer haben uns gut behandelt, wir sind in den sechs Monaten viel gefahren", sagt Mitko, kahlköpfig, braun gebrannt mit einem leichten Zwei-Tages-Bart. "Es hat keine Gewalt-Märsche über hunderte von Kilometern gegeben. Wir sind nur dort marschiert, wo man nicht fahren konnte", erzählt er. Er fühle sich den Umständen entsprechend gut. Als Verpflegung habe es viel "Makkaroni, Reis, Gries, Brot und schlechtes Wasser" gegeben. "Sie sehen, ich bin gut beieinander." Über das tragische Schicksal seiner Lebensgefährtin Michaela Spitzer, die mit ihm Anfang März zu der Sahara-Reise aufgebrochen und Ende Juni an einem Hitzschlag gestorben war, schwieg Mitko.

Todesfall dämpft den Jubel

Die Freude und Erleichterung unter den Angehörigen ist allen ins Gesicht geschrieben. Die 84-jährige Mutter von Kurt Schuster, Maria Schuster, erzählt, ihr Garten habe ihr über die bangen Monate des Wartens geholfen. "Wenn's mir zu eng war in der Wohnung, dann bin ich raus und hab im Garten g'schafft und mich vergessen", sagt sie. Auch der Pfarrer habe ihr beigestanden. Angelika Steinbacher, Schwägerin der Schusters, sagt, das Warten und Hoffen habe sich gelohnt. Doch der Tod von Michaela Spitzer dämpfe den "grenzenlosen Jubel" und sei ein bitterer Wermutstropfen.

"Waren schon vorher stark"

Der Augsburger Unternehmer Thomas Fuchs hatte für den Heimflug der drei Augsburger Ex-Geiseln von Köln nach Augsburg spontan seinen Ciation-Jet 525 kostenlos zur Verfügung gestellt und sich persönlich als Pilot in das Cockpit gesetzt. Noch auf dem Flugfeld wurden die drei Urlauber von Augsburgs Oberbürgermeister Paul Wengert (SPD) mit Geschenkkörben empfangen. Als Kurt Schuster gefragt wurde, wie man sechs Monate Geiselhaft in der Wüste aushält, erwiderte er: "Weil wir stark waren - wir waren schon vorher stark."


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