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Schulen: Schlechtes Zeugnis für Bayern

Sonst Musterbundesland Nummer eins, muss Bayern in Sachen Schulbildung noch einiges nachbessern. Jetzt zeigt sich: Über Jahre hinweg wurde die Situation an Bayerns Schulen schön geredet.

Eine offizielle Untersuchung des Kultusministeriums hat im bundesweiten Vergleich gezeigt: Die Klassenstärken an bayerischen Schulen liegen in fast allen Bereichen unter dem Bundesdurchschnitt. Das geht aus dem Bericht "Bildung und Schule in Bayern 2004" her. Auch bei der Zahl der Schüler pro Lehrer ist Bayern in den Jahrgängen eins bis sechs schlechter als der Bundesschnitt. Das Kultusministerium betonte in einer Stellungnahme, dass bayerische Schüler dafür mehr Unterricht erhalten als in vielen anderen Bundesländern.

Grundschulen nach Nordrhein-Westfalen und Hamburg am schlechtesten

Demnach liegen die Grundschulen des Freistaats mit 23,4 Schülern pro Klasse auf dem drittletzten Platz. Noch schlechter sind nur Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Im Bundesschnitt sitzen 22 Grundschüler in einer Klasse. Auf Platz eins liegt Sachsen-Anhalt mit nur 17 Kindern pro Grundschulklasse. Die SPD-Schulexpertin Marianne Schieder warf Kultusministerin Monika Hohlmeier vor, die Situation an Bayerns Schulen über Jahre mit immer neuen Rekordzahlen schön geredet zu haben.

In den Klassen sieben bis zehn liegen die drei großen Schultypen Gymnasium, Realschule und Hauptschule ebenfalls unter dem Schnitt. So sitzen in einer bayerischen Gymnasialklasse 27,2 Schüler, im Bundesschnitt dagegen nur 26,4. In bayerischen Realschulklassen werden rein rechnerisch 1,5 Schüler mehr pro Klasse unterrichtet als im Schnitt der anderen Länder.

<"Bei der Schüler-Lehrer-Relation ziemlich weit hinten"

Auch bei der Zahl der Schüler pro Lehrer liegen die bayerischen Grundschulen mit einem Pädagogen für 20,6 Schüler unter dem Schnitt von 20,0. In den oberen Jahrgangsstufen sieben bis zehn liegt Bayern mit einem Lehrer auf 15,9 Schüler im Mittelfeld. Der Schnitt liegt 0,2 Prozent höher. Spitzenreiter sind hier Sachsen und Thüringen mit einem Lehrer für 13,1 Schüler. "Die Zahlen beweisen eindeutig, dass wir große Klassen haben und dass wir bei der Schüler-Lehrer-Relation ziemlich weit hinten sind", sagte Schieder. "Schönrechnen, Schönreden, Verschweigen, Ignorieren."

Im vorderen Bereich liegen die bayerischen Schulen dagegen beim Unterricht. In den Grundschulen erhalten die Schüler im Schnitt 29,8 Stunden Unterricht, gut zwei Stunden mehr als im Bundesschnitt, der bei 27,6 liegt. Bezieht man die anderen Schultypen mit ein, liegt Bayern im vorderen Drittel. "Wir haben mit die umfangreichsten Stundentafeln in Deutschland überhaupt", sagte Ministeriumssprecher Thomas Höhenleitner. "Bayern hat den Weg gewählt, nicht ganz so kleine Klassen zu haben, aber mehr Unterricht zu bieten."

Auch Nachholbedarf bei Ganztagsschulen

Der SPD-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Franz Maget, sieht bei der Schaffung von Ganztagsschulen im Freistaat noch großen Nachholbedarf. "Der Rückstand Bayerns in dieser Frage ist gewaltig", sagte Maget in München. Zwar sei der Widerstand der CSU in diesem Punkt zuletzt geringer geworden. Insgesamt sei das Thema Ganztagsschule aber noch sehr umstritten. Bayern müsse auch in diesem Punkt deutlich schneller und besser werden.

DPA / DPA