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stern-Umfrage: Kanzlerin beliebt wie nie

Angela Merkel erzielt bei den Deutschen in praktisch allen Bereichen starke persönliche Umfragewerte. So würde sie bei einer Direktwahl zum Amt des Bundeskanzlers einen Kantersieg landen - völlig unabhängig vom Gegenkandidaten. Das ist das Ergebnis einer neuen Forsa-Umfrage für den stern.

Wählen? Warum eigentlich? Ist doch eh alles klar. Wenn man die Deutschen fragt, von wem sie nach 2009 regiert werden wollen, dann ist die Antwort aber so was von eindeutig, eindeutiger geht's kaum noch. Von der Merkel!, rufen sie dann. Von wem denn sonst?

62 Prozent haben jetzt auf eine entsprechende Frage des Berliner Forsa-Instituts im Auftrag des stern geantwortet, dass sie es begrüßen würden, wenn Angela Merkel auch nach der Bundestagswahl Kanzlerin bliebe. 62 Prozent!! Das sind nahezu zwei Drittel. Selbst unter den grünen und den sozialdemokratischen Anhängern kommt die CDU-Vorsitzende auf ordentliche Mehrheiten: 54 und 56 Prozent. Das Anti-Angie-Lager ist eigentlich nur noch von den ganz Linken besetzt. Da wollen nur 31 Prozent, dass sie weiter regiert.

Alles Merkel, oder was?

Die Frau muss etwas an sich haben, dass die Deutschen leicht anders im Kopf macht. 85 Prozent fühlen sich von ihr gut vertreten draußen in der Welt. 82 Prozent halten sie für kompetent. 76 Prozent glauben, sie sei stark. Mehr? Bitte: 72 Prozent empfinden sie als sympathisch, 71 Prozent als welt-äh-männisch, 69 Prozent als glaubwürdig.

Das sind Werte, mit denen ihre Widersacher und mutmaßlichen Gegenkandidaten 2009 nicht im entferntesten mithalten können. Steinmeier nicht und Beck gleich gar nicht. Werte, mit denen Angela Merkel so langsam in den geheiligten Jauch-Beckenbauer-Papst-Benedikt-Bereich vordringt. Ein Bereich, der Politikern zu Lebzeiten normalerweise versagt bleibt, zumindest aber, solange sie regieren. Kohl war immer weit entfernt davon, Schröder hat einmal an der Pforte zu diesen himmlischen Umfrage-Gefilden gekratzt, einen kurzen Sommer, im Jahr 2000. Dann war es wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Merkels Werte sind nicht nur besser, sie sind vor allem beständig.

Ist das noch dieselbe Angela Merkel, die vor knapp drei Jahren trotz bester Ausgangslage fast den Wahlsieg vergeigt hätte? Die sich gerade noch so ins Kanzleramt gequetscht hat?? Der man(n) nichts zugetraut hat??? Nein, antworten die Bürger, ist sie nicht mehr. Ihr Bild hat sich komplett gewandelt, zum Besseren natürlich. Fast die Hälfte – 49 Prozent – meinen, sie habe sich zum Positiven verändert; vor allem ihre eigenen Parteifreunde glauben das. Etwas zwiespältiger ist das Urteil nur in Merkels alter Heimat. Unter den Ostdeutschen sagen 19 Prozent, sie habe sich seit Amtsantritt zu ihrem Nachteil verändert; die im Westen sind nur elf Prozent dieser Meinung.

Nur 34 Prozent trauen ihr Lösung der Probleme zu

Es muss so etwas wie Liebe sein, dass das Volk für seine Kanzlerin empfindet. Für ihre farbenfrohen Jacketts und für ihr nur sehr gelegentlich offenherzige Garderobe. Für ihre distanzierte, leicht schnoddrige Art. Für ihren Abschied von radikalen Reformen und für ihre Hinwendung zum Moderieren. Vor allem aber für ihre Neigung, sich nicht recht festzulegen. Ein bisschen Klimaschutz, ein bisschen Atom. Ein bisschen Afrika helfen, ein bisschen sparen. Ein bisschen dies, ein bisschen das. Da man nicht so recht weiß, was Angela Merkel wirklich will, eignet sie sich prächtig als Projektionsfläche. Das ist das Geheimnis ihres Erfolges, ein guter Teil davon jedenfalls.

Und ist es auch Liebe, ganz blind macht sie nicht. Denn das ihrer Kanzlerin etwas ganz Entscheidendes fehlt, merken die Deutschen dann doch noch. Nur 34 Prozent trauen ihr zu, dass sie die Probleme des Landes lösen kann. Und noch einmal so viele, 69 Prozent, wünschten sich, dass Merkel angesichts der ungelösten Konflikte in der Regierung – Pendlerpauschale, Unternehmensteuer, Gesundheitsfonds... – und in der Union – Pendlerpauschale, Unternehmensteuer, Gesundheitsfonds… – öfter als bisher Machtworte spricht.

Ganz besonders wünschen sich das übrigens die Anhänger der CSU. Aber das ist eine andere Geschichte.

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