Hans-Martin Tillack Jenseits von Curaçao


Gestern berichteten wir über den Pharmaunternehmer und CDU-Großspender Frederik Paulsen und sein wenig transparentes Firmenreich. Heute bekam er die Ehrenbürgerwürde der Uni Kiel.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident und Paulsen-Freund Peter Harry Carstensen (CDU) hielt beim Festakt die Laudatio. Die Ehrung sei dem Wirtschaftsboss gegönnt. Bestimmt hat er, auch mit seiner Dr. Frederik Paulsen Foundation, viele wohltätige Spenden geleistet.

Gerade bei einem vielfach geehrten Unternehmer wie Paulsen finde ich es dennoch erstaunlich, dass er nicht einmal den Namen des Landes verraten möchte, in dem diese wohltätige Stiftung residiert. Seine Sprecherin verwies auf unsere Anfrage nur allgemein auf das „philanthropische Engagement“ der Arzneimittelgruppe. Dieses sei womöglich in Deutschland „kulturell unüblich“, formulierte sie spitz, per Mail aus der Konzernzentrale im schweizerischen Lausanne.

Nun, hierzulande ist es auf alle Fälle unüblich, dass große auf Renommée bedachte Unternehmen auf dem Umweg über kleine Firmen auf Karibikinseln wie Curaçao kontrolliert werden, wie das bei Paulsens Pharmakonzern der Fall ist. Über die Besitzer der Ferring-Gruppe – so heißt der Konzern – ist aus öffentlich zugänglichen Quellen überdies zwar recherchierbar, dass hinter der Firma auf Curaçao die Dr. Frederik Paulsen Foundation steckt. Aber wo diese ihre Adresse und ihre Büros hat, dies behält das Unternehmen für sich. Auch wenn man mehrfach nachfragt.

Gewiss, dass Firmen im Besitz von Stiftungen sind, ist in Deutschland nicht unüblich, man denke an Bosch oder an Bertelsmann, den Mutterkonzern des stern. Doch die Bosch-Stiftung macht kein Geheimnis daraus, dass sie in Stuttgart ihren Sitz hat. Bei der Bertelsmann-Stiftung ist es das biedere Gütersloh – auch das ist selbstverständlich öffentlich bekannt.

Mag sein, dass sich der von Paulsen reichlich mit Parteispenden bedachte schleswig-holsteinische CDU-Chef Carstensen und die Kieler Christian-Albrechts-Universität an dem Mangel an Transparenz nicht stören. Die Hochschule ist sogar "stolz" darauf, den Firmenchef auszeichnen zu dürfen.

Doch wer sich öffentlich ehren lässt und sich selbst in öffentliche Ämter begibt – Paulsen ist auch russischer Honorarkonsul in Lausanne – muss es ertragen, wenn man an ihn Fragen richtet. Und sich dann wundert, wenn man keine Antworten bekommt.


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