Fast eine halbe Million hat der Pharmaunternehmer Frederik Paulsen in den vergangenen Jahren an die CDU in Schleswig-Holstein gespendet. Mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ist er gut befreundet. Doch sein Firmenimperium ist wenig durchsichtig. Von Hans-Martin Tillack

Museumseröffnung auf Föhr: Die dänische Königin Margrethe II, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Pharmaunternehmer Frederik Paulsen© Carsten Rehder/DPA
Die Sonne strahlt nur zaghaft an diesem Sommertag auf der Nordseeinsel Föhr, aber dafür scheint sie über gleich zwei Königinnen und einem Ministerpräsidenten. Der Pharmaunternehmer Frederik Paulsen lässt ein von ihm gestiftetes Kunstmuseum eröffnen. Und er kann sowohl die dänische Regentin Margrethe II. begrüßen wie zweitens ihre Standeskollegin aus dem Himalaja-Königreich Bhutan. Auch Landesvater Peter Harry Carstensen von der CDU ist gekommen. Der Ministerpräsident neben der Dänenkönigin, Paulsen an der Seite seiner Lebensgefährtin in Friesentracht - so präsentieren sie sich im Juli 2009 zu viert den Fotografen.
Kein seltenes Ereignis. "Die sind relativ eng", sagt ein Kieler Christdemokrat über seinen Ministerpräsidenten und den Arzneimittelproduzenten. Eine "echte Freundschaft" verbinde die zwei Männer, sagt ein anderer. Auf Paulsens Insel Föhr, nicht im heimischen Nordstrand, beging der CDU-Politiker zum Jahreswechsel die Eheschließung mit Freundin Sandra Thomsen. Nach den Angaben von Paulsen und Carstensen war der Pharmaunternehmer trotzdem weder Gastgeber noch Gast auf der Feier. Aber das Brautpaar bekam von ihm ein Hochzeitsgeschenk.
Dag Frederik Arfst Paulsen heißt der Carstensen-Freund mit vollem Namen. Geboren in Schweden, mit Wohnsitz im schweizerischen Lausanne, ist er ein Mann mit vielen Gesichtern und ein Kosmopolit. Im weiteren Deutschland kennt ihn kaum einer, aber in Schleswig-Holstein präsentiert er sich gerne als bodenständiger Bewohner der Insel Föhr und Mäzen von Kunst und Friesentum.
Sein Vater stammt von Föhr, floh vor den Nazis nach Schweden und legte dort den Grundstein des Pharmakonzerns Ferring. Der heute 59-Jährige Sohn Frederik ist schwedischer Staatsbürger, er lebte zeitweise in Paris und London und ist international als Pharmaunternehmer aktiv. Das ist zumindest einigen Mitbürgern im deutschen Norden bekannt. Aber was auch sie nicht wissen: Paulsen ist überdies mit seinem Firmenkonglomerat in allerlei Steueroasen vertreten. Alles offensichtlich ganz legal. Aber obwohl Paulsen verbreiten lässt, er habe "nichts zu verbergen", lässt er über sein Firmenimperium Einiges im Dunkeln.
Ministerpräsident Carstensen hat dennoch allen Grund, dem Firmenchef dankbar zu sein. Denn der ließ der schleswig-holsteinischen CDU über die Jahre stattliche Summen zukommen, seit 2002 insgesamt 468.000 Euro, also fast eine halbe Million.
Zuletzt waren es 150.000 Euro, die seine Ferring Arzneimittel GmbH kurz vor der Landtagswahl am 27.September 2009 an die CDU überwies. Das war ein erstaunlicher hoher Betrag, auch gemessen am Jahresüberschuss von nicht mehr als 577.682 Euro, den die Firma 2008 erzielte.
Paulsen ist damit der wohl wichtigste Parteispender der Kieler CDU, die im fraglichen Zeitraum insgesamt knapp 1,6 Millionen Euro vereinnahmte. Carstensen persönlich habe bei Paulsen um Spenden geworben, bestätigt die Landes-CDU. Alles sei ganz redlich und ordentlich angezeigt.
Weltweit erzielte die Ferring-Gruppe im Jahr 2008 Einnahmen von 885 Millionen Euro, der operative Gewinn stieg auf 119,4 Millionen. In den vergangenen Jahren wuchs der Konzern rasch, die Mitarbeiterzahl kletterte von gut 2000 im Jahr 2001 auf heute um die 3500 - ein Plus von 75 Prozent. Vor allem ein Mittel gegen Bettnässen namens Desmopressin hat zu der Expansion beigetragen.
Ausgerechnet am deutschen Ferring-Standort Kiel spielt sich aber nur ein Bruchteil der Konzernaktivitäten ab. Forschen ließ Paulsen, so sagen es Firmenunterlagen aus dem November 2008, vor allem in den USA und Großbritannien. Hierzulande, bei den zwei Firmen Ferring GmbH und Ferring Arzneimittel GmbH, beschäftigt er gerade mal an die 300 Mitarbeiter, weniger als ein Zehntel der Gesamtbelegschaft.
Mit dem Rest des Paulsen-Imperiums sind sie über eine hochkomplexe Konstruktion verbunden. Die beiden Kieler Gesellschaften werden von derselben ausländischen Mutter kontrolliert, einem Unternehmen namens Ferring BV im niederländischen Hoofddorp. Dessen Konzernabschluss wird, so die offiziellen Angaben der Kieler Töchter im Bundesanzeiger, "nicht veröffentlicht". Die Gesellschaft, die den Konzernabschluss "für den größten Kreis von Unternehmen" aufstelle, sei die Ferring Holding S.A. in Saint-Prex nahe Lausanne. Aber auch deren Konzernabschluss werde "nicht veröffentlicht".
Warum soviel Geheimnistuerei? Zumal die Schweizer Holding, die über die niederländische Ferring BV das weltweite operative Geschäft steuert, ihrerseits einer weiteren Mutter gehört. Die residiert wieder in Holland und heißt Isles BV. Isles ist ein englisches Wort für Inseln. Laut Handelsregister hatte sie - die früher mal Ferring Properties BV hieß - im Jahr 2008 ganze zwei Mitarbeiter. Und auch Isles BV hat neben ihrer Schweizer Tochter ihrerseits eine weitere Mutter. Die sitzt im Steuerparadies Luxemburg und heißt Isles S.a.r.l.
Die dortige Paulsen-Gesellschaft ist ebenfalls noch lange nicht der Gipfel der vielstufigen Firmenpyramide. Denn Isles S.a.r.l. gehört nach den letzten im Handelsregister verfügbaren Unterlagen wiederum einem Unternehmen namens Insula Corporation NV, registriert auf der niederländischen Karibikinsel Curaçao, einer weiteren Steueroase.
Die Insula Corporation NV firmierte früher als Ferring NV und hat ein genehmigtes Kapital von gerade einmal 30.000 US-Dollar. Trotzdem hängt an ihr die gesamte weltweite Ferring-Gruppe. Sowohl die karibische Mutter Insula wie ihre Luxemburger Tochter hatten in den vergangenen Jahren auch regelmäßig öffentlich zugängliche Jahresabschlüsse im Handelsregister des Großherzogtums Luxemburg deponiert. Dort sind sie allerdings nur für jemanden auffindbar, der genau weiß, wo er suchen muss.
Wer sie studiert, stößt auf Widersprüche zu den Angaben, die Ferring im Bundesanzeiger hat machen lassen. Nach einem Papier der Luxemburger Paulsen-Firma vom November 2007 ist es nämlich die Insula Corporation NV auf den Niederländischen Antillen, die den Abschluss "für den größten Kreis von Unternehmen aufstellt". Also ist es doch nicht - wie Ferring trotzdem auch im Juli 2007 im Bundesanzeiger angeben ließ - die Schweizer Holding, die ja nur einen Teil des von Insula kontrollierten Firmenreichs darstellt? Eine Ferring-Sprecherin versichert auf Anfrage dennoch, dass "nach unserer Kenntnis alle dem Bundesanzeiger übermittelten Informationen wahr und zutreffend sind".
Fast überflüssig zu sagen, dass die Geschichte der Verschachtelungen mit der Antillen-Connection nicht zu Ende ist. Denn die Insula Corporation hat ebenfalls eine Mutter. Es ist die Dr. Frederik Paulsen Foundation, eine Stiftung, die weltweit mit wohltätigen Spenden auf sich aufmerksam macht. Auch an Paulsens Kunstmuseum auf Föhr und das Königreich Bhutan gingen bereits mildtätige Gaben. Wo der Sitz der Stiftung ist, die nicht einmal eine Website hat, bleibt ein Rätsel. Die Ferring-Sprecherin will ihn auch auf Anfrage nicht verraten und verweist nur allgemein auf das "philanthropische Engagement" des Konzerns.