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Und jetzt ... Django Asül: Aschermittwoch mit Horsti und Mutti

Außerhalb der CSU gibt es nur Leichtmatrosen. Und außerhalb Bayerns nur lahme Enten. Sagt Horst Seehofer in Passau.

Eine satirische Antwort von Django Asül

Aus bayerischer Sicht ist der politische Aschermittwoch nicht nur ein, sondern das Highlight schlechthin im Jahr. An diesem Tag wird immer besonders deutlich, was aus Sicht der CSU eigentlich jedem Bundesbürger tagtäglich klar sein sollte: Bayern ist bundesweit mindestens Weltklasse und global gesehen deutsche Spitze. Um die Gründe für diesen herausragenden Status Quo zu ergründen, ist eine mehrfache Ortsbegehung nötig. In Vilshofen beispielsweise kann man Jahr für Jahr von der bayerischen SPD (ja, es gibt sie tatsächlich) erfahren, dass es der exorbitanten Leistungsbereitschaft des Bürgers zu verdanken ist, wenn es Bayern trotz einer regierenden CSU so gut geht. In Passau ist die Kausalität ein bisschen anders gewickelt: Dort sieht es die CSU als erwiesen an, dass nur aufgrund des politischen Genius' der CSU das Land noch nicht in feindliche Hände (je nach Jahrzehnt der Russe, der Sozi, der Linke oder der Islamist) gefallen ist. Früher war der sprachliche Duktus deshalb oftmals waffenscheinpflichtig. Weil man auch wusste: Der Redner sagt das nicht nur, er meint es auch so. Zumal vor allem die Herren Strauß und Stoiber sowieso ohnehin nie höhere Grade in Sachen Diplomatiefähigkeit angestrebt haben.

Horst Seehofer jedoch geht die Dinge ein bisschen anders an. Im Gegensatz zu seinen renommierten Vorgängern kann er gut über sich selber lachen. Und auch dem politischen Gegner begegnet er lieber mit einem spöttischen Unterton statt ihn vernichten zu wollen. Weil Seehofer den Gegner nämlich gar nicht erst ernst nimmt. Und weil er die Gegner nicht nur in der Opposition, sondern auch im Regierungslager vermutet. Und Attacken gegen Merkel und Westerwelle müssen logischerweise eher auf der subtilen Ebene ausgeführt werden.

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Seine diesjährige Rede beginnt der bayerische Ministerpräsident passend dazu erst mal mit einer grinsenden Schweigeminute. Um dann zu erklären, Frau Merkel hätte am Weltfrauentag den Männern geraten, erst mal zu überlegen, bevor sie etwas sagen. Und er selber sei schließlich der hochverehrten Kanzlerin loyal und alles andere als dem Streit zugeneigt. Jeder im Saal, der die 2-Promille-Grenze noch nicht überschritten hat, also eine Minderheit, deutet die Worte Seehofers als blanke Ironie. Macht doch Seehofer in kleineren Kreisen keinen Hehl daraus, wie zäh effektives Arbeiten mit dieser harmoniesüchtigen Ostschnepfe sei. Während Merkel ihr eigenes Kanzlertum als Erfolg an sich feiert, definiert Seehofer natürlich Erfolg ganz anders. Erfolg ist, wenn Bayern dank der CSU aufblüht. Deshalb präsentiert der Parteichef eine ganz frische Emnid-Umfrage: 55 Prozent der Niederbayern würden CSU wählen. Das sei doch schon mal eine eindeutige Bestätigung für den Kurs der CSU. So euphorisch das manchen Unionisten außerhalb Bayerns stimmen mag, weiß jeder Durchschnittsbayer: Ist Niederbayern halbwegs zufrieden mit der CSU, sind 60 plus x keine Seltenheit. Die 55 Prozent, die Seehofer also als Beweis für den christsozialen Aufwärtstrend zu bieten hat, sind also in Wahrheit kein Beleg von hoher Akzeptanz, sondern bestenfalls von gleichmütiger Toleranz.

Also muss sich Seehofer weniger auf solche Zahlen denn mehr auf solide Angriffe verlassen. Da er die FDP wesentlich schärfer angeht als die bayerische SPD, zeigt er einmal mehr, wie sehr ihn die Sozis langweilen. Deren Chef Florian Pronold bezeichnet er als einziges Schlafmittel, das man mit den Augen einnehme, so einschläfernd wirke dieser. Wer hingegen den Kubicki von der FDP als Parteifreund tituliere, müssen die Taliban auch als Gesangsverein einstufen. Deswegen auch das Mitleid mit Westerwelle, der an diesem Tag lieber bei Horsti in Bayern sei als bei Mutti in Berlin. Die Botschaft ist leicht verständlich: Außerhalb der CSU gibt es nur Leichtmatrosen. Außerhalb Bayerns nur lahme Enten. Und die hässlichen Entlein wähnt Horsti bei den Grünen. Wenn Künast und Trittin in den Spiegel schauten, sei es nicht Eitelkeit, sondern Tapferkeit. Es beruhigt ungemein, wenn ein bayerischer Ministerpräsident nie die argumentative Linie verlässt oder gar billige Polemik bemüht. Außer dass die Grünen ästhetisch scheinbar nicht den gängigen CSU-Standards genügen, sind sie aus CSU-Sicht eben nur Nörgler und (siehe Hamburg) Mehrheitsbeschaffer für die SPD. Diese These gibt zwar das Ergebnis der Hamburg-Wahl nicht her, aber ganz so genau muss es ein bayerischer Ministerpräsident auch nicht nehmen. Was er behauptet, stimmt quasi qua Amt.

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Das ist auch fast Bedingung für die Handlungsfähigkeit und Existenz dieses Landes, weil ja schließlich nur Seehofer in Berlin völlig unabhängig bayerische Interessen vertreten könne, hingen doch die anderen immer am Tropf der Bundespartei. Die Zusammenhänge, die Seehofer bietet, sind einleuchtend: Nur die CSU hat Ahnung, was wirklich zu tun ist. Also ist die Republik auf das Durchsetzungsvermögen der CSU in Berlin angewiesen, wenn die Zukunft nicht düster sein soll. Der Aktionsradius in Berlin ist nur dann groß genug, wenn die CSU in Bayern allein das Sagen hat. Und die Erfolge der CSU sind so viele an Zahl, dass es auch noch eines Ascherdonnerstags oder am besten gleich einer ganzen Ascherwoche bedarf, um alle unterzubringen.

Bei der Integration und Bildung hat Bayern den Rest des Landes weit abgehängt. Und deshalb soll der türkische Premierminister entweder daheim bleiben oder dahin gehen, wo der Pfeffer wächst, statt sich in deutsche Integrationsangelegenheiten einzumischen. So ganz nebenbei fleht Madrid laut Seehofer das bayerische Freistaatsoberhaupt an, eine Kopie des bayerischen Schulsystems nach Spanien zu schicken. Soll heißen: Wer sich nicht an der Erfolgsstory der CSU orientieren will, darf sich nicht nicht wundern, wenn ihm das eigene Scheitern spanisch vorkommt. Höchste Zeit, dass die Uno durch die CSU ersetzt wird.

Django Asül live: 18.03. Erkrath, 20.03. Mönchengladbach, 22.03. Biedenkopf, 23.03. Rüsselsheim