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Und jetzt ... Django Asül Der Euro und die fetten Schnitten


Während deutsche Bio-Esser immer noch unter den Folgen von Ehec leiden, hat die "Gourmet-GSG-9" von Foodwatch einen dicken Skandal aufgedeckt: Dabei erinnert die zuckersüße Milchstulle erschreckend an das griechische Euro-Drama.
Ein satirischer Überblick von Django Asül

Es ist ja allerhand los auf dem Lebensmittelmarkt neuerdings. Da ist das gute, alte Dioxin fast schon ein Ladenhüter. Zumindest kann man damit keine Feuilletonseiten mehr füllen wie vor wenigen Monaten.

Dioxin war gestern. Oder besser: Das Dioxin von heute ist Biogemüse. Quasi das Höchstgefühl des Toxischen. Zu dem Eindruck kommt der aufmerksame Leser gesunder Seiten. Aber weil die Verbraucherschutzministerin Aigner ein Machtwort gesprochen hat, liegen endlich brauchbare Fakten auf dem Tisch: Tomaten brauchen niemandem mehr spanisch vorkommen. Und Gurken sind genießbar, solange sie nicht wie Sprossen aussehen. Und wer auf einem Biohof eine Leiter sieht, sollte deren Sprossen sicherheitshalber imprägnieren.

Dass Biozeug im Ausnahmefall eine unerfreulich letale Facette haben kann, schockiert natürlich die Freunde ungespritzter Naturprodukte. So manch einer kippt aus den Biolatschen und ist völlig verunsichert, weil er nicht weiß, ob das seltsame Kribbeln an den Füßen seinem naturbelassenen Schuhwerk oder dem gewöhnlichen Fußpilz entspringt.

Biobauern jetzt pauschal an den Pranger zu stellen, wäre dennoch unfair. Sauber sind deren Produkte allemal. Gift hat nur insofern etwas mit Sauberkeit zu tun, dass unbehandeltes Gift im Normalfall sogar noch gefährlicher ist, was leider bewiesen worden ist. Der Biobauer hat es im Gegensatz zum industriellen Humanfutterhersteller nicht nötig, seine Produkte mit Falschinformationen zu bestücken. Die Nahrungsmittelmultis wären aber nicht Multi, sondern bestenfalls Kulti, wenn sie dem Kunden reinen Wein einschenken würden.

Deshalb braucht die Welt Verbraucherschutzorganisationen wie Foodwatch. Das ist eine Art Gourmet- GSG 9. Und diese Truppe verleiht den Goldenen Windbeutel für besonders schlimme Lügner. Diesmal traf es die allseits bekannte und beliebte Firma Ferrero im Zusammenhang mit ihrer berühmten Milchschnitte. Laut Ferrero ist das Teil die ideale leichte Zwischenmahlzeit. Foodwatch klassifiziert die Schnitte jedoch eher als bombastische Hauptmahlzeit ob deren Kaloriengehalt. Also klarer Fall von offensichtlichem Betrug? Nun, so leicht darf man es sich nicht machen. Ferrero müsste nur ein bisschen mehr betonen, dass diese Zwischenmahlzeit prädestiniert ist für Menschen, die gar keine Hauptmahlzeit kriegen. Und schon passt dieses Zuckermonstrum in den Ernährungsplan.

Genau in dieser Argumentationstechnik besteht die direkte Verbindung zwischen Milchschnitte und EU. Je nach Sichtweise kann es sich um eine Mogelpackung handeln oder um eine segenreiche Erfindung. Für einen gediegenen Deutschen mit vernünftiger Erwerbsbiographie mutet die EU an wie ein Zusammenschluss aller Bescheuerten und Weltfremden. Wer sich bis dato eher im Großraum Tripolis/Bengasi aufgehalten hat, dem erscheint die EU schon fast wieder paradiesisch. Wobei es in Tripolis und Bengasi sehr gut auszuhalten ist, wenn Gaddafi irgendwann mal weg ist und Westerwelle Hausverbot kriegt.

Aus juristischer Sicht wiederum ist die Sache heikel. So wie sich Gaddafi über Menschenrechte hinwegsetzt, sind auch den Merkels und Sarkozys sämtliche EU-Richtlinien egal. Es gibt quasi kein grundlegendes EU-Gesetz, was die Staatenlenker nicht willentlich und straffrei erst ignoriert und dann versenkt hätten. Nach Außen ist die EU offiziell demokratisch legitimiert, nach Innen aber dominiert die Kultur des Erpressens.

Demokratie ist also eine frei manövrierbare Masse, die notfalls sogar undemokratisch wird, weil Parlamente nach Lust und Laune übergangen werden können. Genau das macht die Lebendigkeit und Vielfalt in einer Demokratie aus. Es sind Schurken am Werk, aber es wird nicht geschossen. Genau das meint auch Frau Merkel, wenn sie die EU als Hort des Friedens bezeichnet. Und so einen ungezogenen Zögling wie Griechenland gibt es in jeder guten Familie. Den ungehobelten Junior eines wohlhabenden Industrieclans, der das vorauskassierte Erbe verprasst und den Edeljunkie gibt, gibt es ja nicht nur im Film, sondern mitunter auch im Fernsehen.

Das europäische Mitgefühl sollte hier übrigens dem griechischen Volk gebühren. Leider haben hellenische Normalsterbliche nicht viel von den unzähligen Milliarden aus dem Ausland. Mit den neuen Schulden will der griechische Staat alte Schulden begleichen. Und erhöht dadurch seinen Schuldenstand. Die Vision der EU ist quasi eine permanente Liquidität Griechenlands durch eine permanent steigende Verschuldung. Dass da irgendwo der mathematische Wurm drin ist, kapiert der Hellene von nebenan auch ohne großes Latinum.

Was aber, wenn ein System von Haus aus krankt? Da hilft, siehe Ferrero, Werbung. Man muss versuchen, das eigentliche Wesen des Ganzen zu kaschieren. Bei der Milchschnitte hat es lange Zeit funktioniert. Früher waren Leute wie Niki Pilic oder die Klitschkos die Werbegesichter für die Milchschnitte. Da fiel dem Konsumenten nie auf, dass dieses Produkt nur eine Symbiose aus Dämmmaterial und Zucker ist. Stattdessen dachte jeder, dass die Milchschnitte Migranten hilft, besser deutsch zu sprechen. Aber Niki Pilic spricht heute ohne Milchschnitte wesentlich besser deutsch als damals. Und die Klitschkos hauen immer noch auf Mitmenschen ein, wenn Leute aus der Unterwelt ihnen Geld plus TV-Präsenz dafür bieten.

Doch wie sieht die Werbung für den Euro aus? Nachdem alle seriösen Werbegesichter von Becker bis Ferres dankend abgelehnt haben, müssen nun Topmanager herhalten. Gesichter wie Telekom-Chef Obermann plädiert beispielsweise auch für den Erhalt des Euro. Er unterschrieb ebenso einen Text, der am Ende behauptet, der Euro symbolisiere das Europa von heute. Was ist das Europa von heute? Dänemark macht die Grenzen dicht. Frankreich will nur seine Banken retten. Merkel hat Angst vor dem deutschen Wähler.

So gesehen ist der implodierte Euro keine Mogelpackung, sondern eine Riesenmilchschnitte. Und die EZB spielt den Zuckerbäcker. Bis jeder EU-Staat zum Diabetiker wird. Falls die EU nicht schon vorher verhungert.


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