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Und jetzt ... Django Asül Deutschland sucht den Diplom-Migranten


Die Welt besteht aus Atomen und Ausländern, die einen werden verlängert, die anderen zertifiziert. Ein Prosit auf Merkel und Innenminister de Mazière.
Eine satirische Teilchenbestimmung von Django Asül

Deutschland befindet sich unumkehrbar auf der Suche nach einer soliden Standortbestimmung. Und langsam wird auch deutlich, wie unterschiedlich die Blickwinkel sind. Während das Volk überzeugt ist, nur unter Ausschluss der derzeitigen Politikerkaste das Land auf die Erfolgsspur zurückführen zu können, fühlt sich die Politik von Volk und Realität belästigt.

Da gehört es sich für eine dynamische, entscheidungsfreudige Kanzlerin, sich schleunigst Gedanken zu machen, wie die Deutungshoheit wieder im Kanzleramt landen kann. Die bewährte Merkel-Methode: Auf Umwegen zum Ziel führen. Niemand kann so geräuschlos wie Merkel eine Rolle rückwärts als Purzelbaum nach vorne verkaufen. Die Woche begann mit einem souveränen Atomkompromiss. Das war Merkel grad recht. Damit die Deutschen endlich mal begreifen, dass die Welt nicht nur aus Ausländern besteht, sondern in erster Linie aus Atomen. So konnte sie schon mal eine vernünftige Lösung präsentieren. Die Laufzeiten der AKWs werden verlängert, damit Deutschland früher aus der Kernkraft aussteigen kann. Die Ökologie hat quasi gesiegt, weil ihr die Atomkraft eine größere Verschnaufpause beschert. Diese verschwurbelte Logik ließ Deutschland schon arg verdattert dreinblicken. Für einen Moment war die Nation zerebral gelähmt. Und genau diesen kurzzeitigen Stillstand nutzte Merkel, um für eine weitere Irritation zu sorgen: Sie ehrte den Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard für seinen Mut, seine Meinungsfreiheit kreativ zu demonstrieren. Spätestens da wusste die Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr, was man sich da in den Kanzlerbunker gewählt hatte. Die Frau, die nicht müde wurde, Sarrazin für seine Meinungsfreiheit zu geißeln, ist begeistert von einem Karikaturisten, der einen Propheten als Selbstmordattentäter darstellt?

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Die Antwort liegt im Detail: Sarrazin hat seine Kritik geschrieben und nicht wie Westergaard gemalt. Da unter Migranten Lesen und Schreiben oftmals ein Problem darstellt, wirkt ein Buch wie eine Verhöhnung. Ein Bild, zumal von einem Karikaturisten, ist dagegen laut Merkel automatisch ein Beitrag zur Völkerverständigung. Der wahre Gutmensch à la Merkel hat also Karikaturen zu begrüßen und Statistiken zu verabscheuen. So in etwa lautete das Merkel-Dekret. Das aber auch nur eine sehr limitierte Halbwertszeit hatte, weil Merkel am selben Tag ihren Innenminister mit neuen Statistiken in eine Pressekonferenz schickte. Um zu veranschaulichen, dass im Notfall auch eine Statistik willkommen ist, solange sie nicht von Sarrazin stammt.

Die Taktik der Regierung ist verständlich: Man will Sarrazin Recht geben, ohne einzugestehen, dass er Recht hat. Und so ließ Innenminister de Maizière einen Bericht vom Stapel, der es in sich hat: 10-15 Prozent der Migranten wollen sich nicht integrieren. Und über eine Million von denen spricht kein Deutsch. Ist das jetzt wirklich so schlimm? Laut de Maizière nicht. Zumindest nicht im internationalen Vergleich. Unter den Millionen von Einwanderern in Frankreich oder Spanien beispielsweise fand sich so gut wie keiner, dessen Deutsch für einen passablen Hauptschulabschluss reicht. Und sage und schreibe kein Einziger konnte sich vorstellen, sich in Deutschland zu integrieren.

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Wer jetzt meint, de Maizière wolle die Integrationsunwilligen nach Frankreich oder Spanien abschieben, liegt falsch. Nein, Integrationskurse sollen die Wende bringen und dafür sorgen, dass sich alle wohl fühlen. Und nur wer einen vernünftigen Abschluss schafft und sozusagen ein Diplom-Migrant wird, darf auf eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis hoffen. Das ist mehr als vernünftig und auch jedem zuzumuten. Mittlerweile wird ja jeder noch so belanglose Schmarrn zertifiziert. Und gerade Menschen sollen davon ausgeklammert werden?

Bleibt nur die Frage offen, wer diese Integrationskurse gibt. Will man Lehrer von den Schulen abziehen trotz Lehrermangels? Oder übernehmen das die jeweiligen Hausmeister der Ausländerbehörden? Oder gar Sarrazin, falls er tatsächlich seinen Job bei der Bundesbank verlieren sollte? Jedenfalls kann dieser Tage auch Sarrazin etwas lernen. Vom Innenminister persönlich. Und zwar, wie man Statistiken radaufrei präsentiert. Und de Maiziere kann von Sarrazin lernen, wie man Bücher verkauft.


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