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Waffenschmiede Northrop Grumman Drohnen bauen ist wie Kuchen backen


US-Rüstungsmanager verglichen die Probleme des gescheiterten Euro Hawk mit dem Backen von Kuchen. Eine Zeichnung zeigte den deutschen Genehmigungsbeamten mit Kochmütze.
Von Hans-Martin Tillack

Wenn man ein Problem herunterspielen will, sagt man auf Englisch: "Piece of cake!" Was so viel heißt wie: "Das ist ein Kinderspiel!" Vielleicht war das der Grund, weshalb Manager des US-Rüstungsriesen Northrop Grumman Anfang 2010 die Zulassungsprobleme der deutsch-amerikanischen Drohne Euro Hawk mit verschiedenen Methoden des Kuchenbackens verglichen.

Der stern berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über eine interne Präsentation von Northrop Grumman vom 3. Februar 2010. In diese Vorlage ließen die Amerikaner mehrfarbige Bilder von Torten und Zutaten wie Mehl, Zucker und Eiern einfügen. Hinzu kam ein bieder anmutender Bäcker mit Kochmütze, der das Resultat abschmeckt. Das Männchen verkörpert die WTD 61, die Genehmigungsbehörde der Bundeswehr für Luftfahrzeuge. Präsentation samt Bäckerbildchen ließ die Bundesregierung auf Wunsch des US-Außenministeriums als "geheim" einstufen.

Vorläufige Genehmigung

Per Kuchenvergleich versuchten die Amerikaner im Februar 2010 zu illustrieren, dass der Prototyp der Drohne die Anforderungen für eine eigentlich vereinbarte deutsche Musterzulassung nicht werde erfüllen könne. Auf ein "bewährtes Rezept" zu verweisen, werde nicht funktionieren. "Ganz neu" zu backen gehe auch nicht.

Ebenfalls am 3. Februar 2010 trafen sich Vertreter der Drohnenhersteller mit Beamten der Bundeswehr. Diese akzeptierten damals die Idee, auf eine aufwändige Musterzulassung zu verzichten und die Drohne zunächst nur mit einer vorläufigen Genehmigung zu fliegen.

Zwei Jahre später stellte sich jedoch heraus, dass die Zulassung noch an die 600 Millionen Euro verschlingen könnte. Der Verzicht auf die Musterzulassung sei damals – noch unter Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) – durch untergeordnete Beamte "auf Vorschlag der Industrie" entschieden worden, beklagte dieser Tage Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) im Drohnen-Untersuchungsausschuss des Bundestages: "Das Problem wurde schlicht auf später verschoben", so de Maizière.

Anders gesagt: Er kam sich vor wie der, dem die Torte am Ende ins Gesicht flog.

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