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Wirtschaftskrise: Nobelpreisträger attackiert Steinbrück

Die Kritik kommt nicht von irgendwem: Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman hat den deutschen Finanzminister scharf kritisiert. Peer Steinbrück richte mit seiner "dummen" Absage an Konjunkturpakete eine "beachtliche Menge Schaden an". Der SPD-Politiker hatte zuvor mit einem Interview für einen Affront gesorgt.

Der frisch gebackene Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman hat Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) scharf kritisiert und der Bundesregierung "Dummheit" vorgeworfen. Steinbrück richte mit seiner Absage an schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme eine "beachtliche Menge Schaden an", schrieb der Amerikaner in einer am Donnerstag veröffentlichten Kolumne auf der Internetseite der "New York Times". "Die Weltwirtschaft befindet sich in einem Furcht einflößenden Sturzflug, der überall sichtbar ist. Und Mr. Steinbrück bleibt strikt gegen staatliche Ausgabenprogramme."

In dieser schwierigen Wirtschaftslage sei ein koordiniertes Vorgehen notwendig. "Aber man bekommt keine Koordinierung hin, wenn die Verantwortlichen in Europas größter Volkswirtschaft nicht mitmachen", kritisierte Krugman, der an der amerikanischen Elite-Universität Princeton lehrt. Deutschland verhindere eine wirksame europäische Antwort auf den dramatischen Abschwung. "Das trägt deutlich zur Schärfe des globalen Abschwungs bei." Der deutschen Regierung warf er "Dummheit" vor.

Steinbrück hatte vor dem Brüsseler EU-Gipfel über ein europaweites Konjunkturprogramm die Regierungen dazu aufgerufen, sich nicht weiter gegenseitig mit immer größeren Stützungspaketen zu überbieten. Ganz konkret hatte er sich in einem Interview mit dem Magazin "Newsweek" gegen die Finanzpolitik in Großbritannien ausgesprochen. Der SPD-Politiker kritisierte die Steuersenkungen und die hohe Staatsverschuldung der Regierung von Premierminister Gordon Brown. "Die selben Leute, die sich immer gegen Finanzierung durch Staatsverschuldung gewehrt haben, werfen nun mit Milliarden um sich", sagte Steinbrück. Der Wechsel von strenger Haushaltspolitik zum "krassen Keynesianismus" sei "atemberaubend". Die Maßnahmen würde Großbritanniens Staatsverschuldung auf ein Niveau heben, für das "eine ganze Generation" arbeiten müsse, um sie wieder abzubauen.

Brown reagiert gelassen

Brown wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück und sagte, Steinbrücks Bemerkungen passten nicht zu den tatsächlichen internationalen Entwicklungen. "Fast jedes Land weltweit tut nun, was wir schon getan haben", sagte er dem Radiosender LBC und fügte an: "Ich möchte nicht in innerdeutsche Politdebatten hineingezogen werden."

Der britische Sender BBC sprach am Donnerstag von einem "ungewöhnlichem Verstoß gegen die Regeln der Diplomatie". In Londoner Regierungskreisen hieß es demnach, Berlin vertrete eine "Meinung der Minderheit" und schere in der Auffassung darüber aus, wie die Krise in den Griff zu bekommen sei.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters