Wolfgang Tiefensee Macher aus dem Osten


Sein Platz ist Leipzig. Das heißt, sein Platz wird bald Leipzig gewesen sein. Obwohl Wolfgang Tiefensee stets Treue zu seiner Heimatstadt bekundet hat, kehrt er ihr nun doch den Rücken.

"Ich fühle mich sehr, sehr wohl in diesem Amt". Das hatte Wolfgang Tiefensee (SPD) gesagt, als er im April 2005 für eine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister von Leipzig gewählt wurde. Fast stereotyp beantwortete der "Macher aus dem Osten" in den vergangenen Jahren alle personellen Begehrlichkeiten aus Bundes- und Landespolitik mit dem Satz "mein Platz ist Leipzig". Nun folgt der 50-Jährige doch dem Ruf seiner Genossen und geht als Verkehrs- und Aufbau-Ost-Minister nach Berlin.

Seit 1998 regiert der 1,98-Meter-Mann die größte ostdeutsche Kommune. Seither hat er sich den Ruf eines Machers erworben. Bei einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent wissen die Leipziger wirtschaftliche Erfolge wie die Ansiedlung von BMW und Porsche oder die Entscheidung für das internationale DHL-Logistik-Luftdrehkreuz in Leipzig zu schätzen. Und die sind in der Öffentlichkeit vor allem mit dem Namen Tiefensee verbunden.

Leichter Kratzer wegen gescheiterter Olympiabewerbung

Leichte Kratzer bekam sein Image als omnipräsenter Strahlemann durch das frühe Ausscheiden Leipzigs bei der Olympia-Bewerbung. Schwer wogen zusätzliche Vorwürfe um Missmanagement und Alleingänge an der Verwaltungsspitze sowie Skandale im Rathaus.

Tiefensee hatte sich erst 1995 den Sozialdemokraten angeschlossen. Anfang 1990 war er vom Runden Tisch in Leipzig in den Stadtrat berufen und bei der ersten freien Kommunalwahl in der DDR wenig später als Parteiloser für Bündnis 90 in das Stadtparlament gewählt worden. Der bekennende Katholik und passionierte Cello-Spieler ist vierfacher Vater. Im August 2005 hatte das Ehepaar Tiefensee die Öffentlichkeit über seine Trennung informiert.

DPA DPA

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