VG-Wort Pixel

Wulff trennt sich von Sprecher Glaeseker Eine gestörte Verbindung


Christian Wulff hat sich von seinem Sprecher Olaf Glaeseker getrennt. Die Gründe dafür passen in die Linie, die der Bundespräsident in der Affäre fährt. Mit Billigung der Kanzlerin.
Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Ist Olaf Glaeseker vom Bundespräsidenten gefeuert worden oder ist er von sich aus gegangen, weil er diesem Christian Wulff nicht mehr als Sprecher dienen wollte? Man weiß es nicht, denn auch über diese Frage hat Wulff in seiner TV-Erklärung einfach hinweggeredet. Aber: Wenn dieser Mann jetzt geht, nach "großartigem Einsatz", wie der Präsident betont hat, dann dürfte es kaum einzig und allein so gewesen sein, dass er von Wulff gefeuert worden ist.

Nein, Glaeseker, in Berliner Polit- und Medienkreisen hoch geachtet, ist wohl auch deshalb gegangen (worden), weil er seinen Job nicht mehr vernünftig machen konnte: Weil er die Pressekollegen hinhalten musste in der Präsidentenaffäre, in der immer nur, von Anfang an, mit verdeckten Karten operiert wurde. Weil seine Verbindung zu seinem langjährigen Dienstherren nachhaltig gestört war.

Rücktritt erscheint Merkel zu gefährlich

Auch diese jüngste Aktion von Präsident Wulff passt also in die Linie, die er in dieser Affäre von Anfang an verfolgt hat: Ohne jede strategische Intelligenz und moralische Haltung, ohne jedes Gespür dafür, dass er alles hätte vermeiden können, hätte er es nicht ständig an der gebotenen Offenheit fehlen lassen. Immer nur Halbwahrheiten serviert, ständig nur zugegeben, was sowieso nicht mehr zu leugnen war. Alles, nur keinen Mumm, in alles Einblick zu gewähren, um so den größtmöglichen Schaden vom Ansehen des höchsten Staatsamtes abzuwehren. Das hat Wulff offenbar nicht eine Millisekunde interessiert.

Die tragische Komponente an diesem Präsidenten ist jetzt: Er hat früher einmal gestanden, dass er sich fürs Amt des Kanzlers nicht gut genug fühle. Aber er scheint es auch nicht fürs Amt des Präsidenten zu sein. Dort darf er nur bleiben, weil der Bundeskanzlerin sein Rücktritt politisch zu gefährlich erscheint. Also darf er mit der Gnade der Angela Merkel jetzt dort sitzen bleiben. Genau das ist in der Verfassung der Republik nicht vorgesehen. Und das ist jetzt das Problem der Kanzlerin.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker