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Maji-Maji-Aufstand: Im Kugelhagel der Kolonialmacht

Der Widerstand gegen die Unterdrückung durch die Kolonialherren in Deutsch-Ostafrika eskalierte 1905 im so genannten Maji-Maji-Krieg. Gegen das Maschinengewehrfeuer der Deutschen half auch kein "Zauberwasser".

Wo der Wind heute durch das Maisfeld von Familie Mapunda in Peramiho streicht, verteilte er vor hundert Jahren die Asche verbrannter Hütten und Äcker. Schonungslos vernichteten damals Soldaten der deutschen Kolonialmacht hier im Süden des heutigen Tansanias fast alles, was es nicht zu plündern lohnte. Damit suchten sie den bislang größten Aufstand in Deutsch-Ostafrika schnell und restlos niederzuschlagen. Massive Unterdrückungsmaßnahmen der Kolonialherren hatten mehr als ein Dutzend der teils zerstrittenen Stämme Tansanias zusammengeführt. Ihr Widerstand gegen die Zwangsarbeit auf den Baumwollplantagen und die steigenden Steuern eskalierte 1905 im Maji-Maji-Krieg, der sich bald über den Süden der Kolonie ausbreitete.

"Handlanger der Kolonialbeamten"

"Auch Häuptling Mputa vom Stamm der Wangoni schlug im September 1905 die Kriegstrommel", erklärt der Historiker Kevin Haule. Der Aufstand erreichte somit auch Peramiho im Wangoni-Land, wo deutsche Benediktiner zwei Jahrzehnte zuvor eine Missionsstation gegründet hatten. Berichte vom Vormarsch der Aufständischen kamen den Mönchen und Nonnen zwar noch rechtzeitig zu Ohren, so dass die Missionare die Station verlassen konnten, bevor die Maji-Maji-Krieger Peramiho überfielen, plünderten und in Schutt und Asche legten. Der Superior des Klosters, der die Flucht verweigert hatte, wurde jedoch von den Aufständischen gefangen genommen und ermordet.

"Für die Maji-Maji-Krieger waren die deutschen Missionare Handlanger der Kolonialbeamten", sagt Haule. "Die Menschen hier konnten immer wieder eine enge Zusammenarbeit zwischen Mönchen und Kolonialherren beobachten, so dass beide Gruppen für sie zum Feind wurden."

In einigen Fällen hätten Missionare in Deutsch-Ostafrika sogar zu denselben Unterdrückungsmaßnahmen gegriffen wie die Behörden. Hiebe mit der Peitsche aus Nilpferdleder waren eine beliebte Strafe der Deutschen: 20 Schläge waren ein übliches Maß - und noch einen Hieb extra für den Kaiser. Die Wut auf die Unterdrücker brach sich schließlich in koordinierten Angriffen auf deutsche Einrichtungen Bahn. Die mit Macheten und Beilen bewaffneten Aufständischen sahen sich jedoch schnell dem Maschinengewehrfeuer der Deutschen ausgeliefert. Zum Schutz tranken sie fortan "Zauberwasser"; die Krieger glaubten, dass sich so die Kugeln in Wasser verwandeln würden. Daher hat der Aufstand auch seinen Namen - "Maji" ist Kiswahili für "Wasser".

"Politik der verbrannten Erde"

Im Kugelhagel kamen vermutlich tausende Afrikaner ums Leben. Viele mehr starben in den kommenden Monaten und Jahren. Denn die Kolonialmacht reagierte mit aller Schärfe. Die Stammesführer wurden gejagt und öffentlich hingerichtet. "Darüber hinaus betrieben die Soldaten, die den Maji-Maji-Aufstand niederschlagen sollten, eine Politik der verbrannten Erde", erklärt der Historiker Haule. Dörfer und Felder gingen in Flammen auf, Vieh wurde beschlagnahmt. "Als Folge davon litten unzählige Menschen Hunger. Schätzungen zufolge ließen von den 80.000 Menschen im Wangoni-Land bis 1907 rund 60.000 ihr Leben." Für den gesamten Süden Tansanias gehen die Geschichtsschreiber von bis zu 150.000 Toten aus.

In Deutschland löste die Reaktion der Kolonialverwaltung eine Protestwelle aus. Teile des Parlaments machten Druck auf die Regierung, die Lebensverhältnisse in den Kolonien zu verbessern. In Tansania wiederum galt der Maji-Maji-Aufstand später als ein Wegbereiter der nationalen Einigung. Staatsgründer Julius Nyerere nannte ihn in einer Rede vor den Vereinten Nationen den Beginn des Kampfes für Freiheit und Einheit. Und seinen Blutzoll hatte Tansania mit dem Maji-Maji-Krieg bereits entrichtet: Der Weg in die Unabhängigkeit und Richtung Demokratie verlief anders als in vielen anderen afrikanischen Ländern friedlich.

Silvia Vogt/AP / AP
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