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Wehrmachtführung: Der Putschversuch der Generäle

Auf dem Höhepunkt der Sudetenkrise wäre es am 28. September 1938 beinahe zum Sturz des Diktators gekommen. In diesen dramatischen Wochen verbündete sich die Heeresführung ein erstes und einziges Mal gegen Hitler.

Schon im Herbst 1937 hatte Hitler der Wehrmachtführung angekündigt, er sei "unabänderlich" entschlossen, Deutschlands "Raumnot" durch "Gewinnung eines größeren Lebensraumes" gewaltsam zu lösen. Wenige Monate später entledigte er sich möglicher Gegner in der Armee: Reichskriegsminister Werner von Blomberg und Heeresoberbefehlshaber Werner Freiherr von Fritsch fielen einer schmierigen Sexintrige zum Opfer. Am 30. Mai 1938 verkündete Hitler, er werde die Tschechoslowakei "in absehbarer Zeit durch eine militärische Aktion zerschlagen". Die Westmächte drohten mit Gegenmaßnahmen.

"Gehorsam hat seine Grenzen"

Diesen Krieg könne die Wehrmacht nicht gewinnen, meinte Ludwig Beck, der Generalstabschef des Heeres. "Gehorsam hat seine Grenzen", sagte er. Für den Fall eines Angriffsbefehls forderte er den Rücktritt der Generalität. Doch niemand folgte ihm.

Am 18. August trat Beck zurück. Er empfahl Franz Halder als Nachfolger, der ebenfalls Hitlers Kriegsführung kritisch gegenüberstand. In diesen dramatischen Wochen verbündete sich die Heeresführung ein erstes und einziges Mal gegen Hitler: Falls der den endgültigen Angriffsbefehl auf die Tschechoslowakei erteile, solle er ausgeschaltet werden.

Hans Oster erarbeitete den Plan. Der Oberstleutnant der Abwehr hatte sich früh als überzeugter Hitler-Gegner offenbart. Am 28. September sollte ein Stoßtrupp in die Reichskanzlei in der Wilhelmstraße 78 eindringen und Hitler festnehmen - und ihn dann eventuell in einem inszenierten Handgemenge erschießen. In Berliner Privatwohnungen warteten die zur Tat Entschlossenen auf den Einsatzbefehl.

Die Putschpläne landen im Kamin

Doch mittags stimmte Hitler überraschend der Münchner Konferenz über eine Lösung der Sudetenfrage zu. Abends wurden die Putschpläne in den Kamin geworfen. Franz Halder brach weinend an seinem Schreibtisch zusammen. Verbittert diente er Hitler bis zum Ende - etwa bei der Belagerung von Leningrad. 1972 starb Franz Halder.

In der deutschen Abwehr arbeitete die Widerstandsgruppe um Hans Oster weiter an Hitlers Sturz. Mit Wissen von Abwehrchef Admiral Canaris sammelten Männer wie Hans von Dohnanyi und der Theologe Dietrich Bonhoeffer Beweise über die Massenmorde. 1942 retteten sie in einer waghalsigen Aktion 14 Berliner Juden das Leben: Unter dem Codewort "Unternehmen Sieben" wurden diese als angebliche Agenten der Abwehr in die Schweiz gebracht.

Verhaftet, verschleppt und umgebracht

1943 wurde Dohnanyi verhaftet, Hans Oster vom Dienst suspendiert. Nach dem 20. Juli wurden beide in Konzentrationslager verschleppt und in den letzten Kriegswochen umgebracht, ebenso wie Admiral Canaris. Es gelte, ein "anständiger Kerl" zu bleiben, hatte Hans Oster an seinen Sohn geschrieben.

Katja Gloger / print