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E-Mail an Doktoranden "Frau von der Leyen hatte gute Absichten, aber wohl keine Betreuung"


Ursula von der Leyen muss sich nicht nur Plagiatsvorwürfen gegen ihre Dissertation stellen - nun wird ihre Doktorarbeit von einer Professorin auch noch als Negativbeispiel genutzt. Mit dieser Mail warnte Ursula Gresser ihre Studenten.

Am 28. September schickte die Medizinprofessorin Ursula Gresser ihren Doktoranden eine E-Mail, um sie vor Ursula von der Leyens Fehlern zu warnen. Hier der genaue Wortlaut:

"Liebe Doktoranden,

da es sich diesmal um eine Medizinische Doktorarbeit handelt, schicke ich sie Ihnen diesmal. Ich war nicht an der Plagiatsanalyse beteiligt, kenne die Arbeit aber seit 2013.

Es gibt ein paar Dinge, die man nicht machen sollte und auf die ich immer wieder hinweise, und die Sie an der anhängenden Dissertation gut erkennen können:

  • Die Gliederung wird immer wieder durchbrochen, die Inhalte der einzelnen Teile werden vermischt
  • Die Einleitung enthält alles Mögliche. Sie sollte aber nur zum exakten Thema hinführen
  • Es wurde wohl in weiten Passagen Inhalt aus Lehrbüchern übernommen - in Doktorarbeiten zieht man wissenschaftliche Originalliteratur als Quelle heran
  • Es wurde übernommen, ohne als Zitat oder Entnahme zu kennzeichnen, z.B. auch bei zahlreichen Abbildungen
  • Es ist nicht ersichtlich, was die Doktorandin selbst gemacht hat
  • Der Studienplan ist kaum erkennbar. Er wird an verschiedenen Stellen angedeutet, aber er müsste im Methodenteil glasklar beschrieben sein
  • CRP ist ein Wert mit schnellen Änderungen und unzähligen Einflussfaktoren. Will man die Ergebnisse vergleichen, müssten die Werte bei allen Mitwirkenden zu exakt vergleichbaren Zeitpunkten gewonnen worden sein - und mit Vorwerten verglichen werden. Das ist beides meines Erachtens nicht der Fall.
  • Ebenfalls nicht erkennbar: war es eine prospektive Studie oder eine retrospektive Studie
  • Das Literaturverzeichnis wirkt aufgebläht, so, als ob es aus Review-Arbeiten oder anderen Publikationen zumindest teilweise übernommen worden wäre (so war es zum Beispiel im Falle Schavan)

Aus meiner Sicht hatte Frau von der Leyen gute Absichten, aber wohl keine Betreuung, oder zumindest keinen, die ihr gesagt hätte, wie man eine wissenschaftliche Abhandlung schreibt, und keinen, der das fertige Werk tatsächlich vor Abgabe gelesen hat.

Mag sein, dass Ihnen meine Kommentare manchmal lästig sind, aber eines kann ich bei jeder von mir eingereichten Dissertation sagen: ich habe sie komplett gelesen.

Hier nochmal die wichtigsten Dinge, die Sie bei Ihrer Dissertation beachten müssen:

Gliederung in:

  • Einleitung (kurz! führt zum Thema hin, enthält aktuelle Original-Literatur)
  • Fragestellung (kurz, keine Literatur)
  • Methodik (kompakt, genau beschreiben was Sie wann wie gemacht haben, keine Literatur außer Hinwiese auf z.B. Laborverfahren oder Fragebögen)
  • Ergebnisse (detailliert, klar, ohne Literatur, ohne Wertungen)
  • Diskussion (kritische Wertung anhand der Literatur und eigener denkbarer Einflussfaktoren auf die Ergebnisse)
  • Zusammenfassung (kompakt, ohne Literatur: was habe ich warum mit welchem Ergebnis gemacht?)
  • Literaturverzeichnis (vollständige Zitate, Sekundär- oder Teriärliteratur nur in Einzelfällen. Alles, was hinten steht, muss vorne erwähnt sein und umgekehrt)

Sie dürfen aus anderen Publikationen übernehmen, aber Sie müssen es eindeutig mit der Quelle belegen und bei wörtlichen Übernahmen zudem mit Anführungszeichen markieren.

Egal, woraus Sie zitieren: immer nur die Publikation als Quelle nennen, die sie selbst durchgearbeitet haben. Bei Review-Arbeiten nicht via Review die zugrundeliegenden Originalarbeiten zitieren (das hat wohl Frau Schavan gemacht), sondern sich die Originalarbeiten holen, lesen, dann zitieren.

Die alles gilt nicht nur für Doktorarbeiten, sondern auch für wissenschaftliche Publikationen.

Beste Grüße,

Ihre Doktormama"

amü

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